Wirtschaft : Jetzt muss die Zentralbank ran

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Von Carsten Brönstrup

Es sieht nur beim ersten Hinsehen spektakulär aus, was die sieben mächtigsten Finanzminister der westlichen Welt bei ihrem Treffen in Florida aufgeschrieben haben. Vor „Unordnung“ und „Übertreibung“ an den Währungsmärkten warnen sie und kündigen an, „angemessen kooperieren“ zu wollen. Den Kursverfall des Dollar werden sie mit derlei Vokabeln allenfalls bremsen, nicht aber stoppen. Dabei summieren sich die Verluste der USWährung zum Euro seit Anfang 2002 auf 29 Prozent – das macht vor allem der exportorientierten deutschen Wirtschaft Sorgen.

Für eine Trendwende an den Finanzmärkten werden die Politiker so nicht sorgen. Trotz der Erklärung ist erkennbar, dass die Interessen der drei großen Währungsblöcke Amerika, Japan und Europa zu weit auseinander liegen. Die Amerikaner hoffen, im Jahr der Präsidentschaftswahl mit hohen Defiziten und einer billigen Währung ihren labilen Aufschwung zu stabilisieren. Was das für den Rest der Welt bedeutet, kümmert sie nicht. Die Japaner wollen sich durch eine Yen-Aufwertung ihre zaghafte Wirtschaftserholung nicht kaputtmachen lassen – und versuchen, mit Währungsverkäufen den Dollar zu stützen. Die gesamte Last des Dollar-Abwertungsdrucks muss daher der Euro schultern – das aber ist gefährlich für die Konjunktur.

Mehr Ruhe an die Märkte hätte es gebracht, wenn die G-7-Minister demonstriert hätten, dass nicht ein Block auf Kosten eines anderen wachsen will. Weil daraus nichts geworden ist, muss nun die Europäische Zentralbank ran. Gegen einen Dollar-Verfall helfen am ehesten Zinssenkungen – sonst droht Schaden für Europas Wohlstand.

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