Wirtschaft : Jetzt soll BMW mit Fiat in ein Boot steigen

MÜNCHEN (tmh).Die Gerüchteküche in der Autoindustrie brodelt immer hitziger.Nach Informationen des britischen Magazins "The Economist" soll jetzt BMW mit dem italienischen Autobauer Fiat über eine strategische Zusammenarbeit verhandeln, heißt es unter Berufung auf einen "Geldgeber" in München.Das Dementi der angeblichen Verhandlungspartner folgte postwendend."Totaler Quatsch," hieß es bei BMW.Doch können sich die Münchner wirklich dem Fusionskarussell in der Branche entziehen?

Ein Zusammengehen der beiden Autohersteller würde die Familien Quandt, die 50 Prozent von BMW kontrolliert, und die Familie Agnelli, die 30 Prozent der Fiat-Anteile hält, zu Geschäftspartnern machen.Dem Magazinbericht zufolge könnten die Familien einer Lösung zustimmen, nach der sie je ein Drittel der Anteile des fusionierten Unternehmens halten würden.Die neuen Spekulationen tauchen nicht ohne Grund auf: Spätestens die Fusion zwischen Daimler und Chrysler hat die Welt der Autobauer verändert.52 eigenständige Produzenten zählte die Branche vor noch 30 Jahren.Heute sind es 19 und nach Ansicht führender Automanager dürften am Ende etwa acht Konzerne übrigbleiben.Stimmt das, könnte die Luft auch für die selbstbewußte und derzeit erfolgreiche PS-Schmiede an der Isar dünn werden.Es sei "unendlich schwierig", eine Brücke zu schlagen von einem Luxushersteller wie Daimler zu einem Massenproduzenten wie Chrysler, ohne Markenprofile zu verwässern, hatte BMW-Chef Bernd Pischetsrieder jüngst die deutsch-amerikanische Freundschaft kommentiert.Das mag wohl stimmen.Andererseits entstehen durch solche Zusammenschlüsse Mengeneffekte, die auch BMW nicht unbeeindruckt lassen können.Kosten in Höhe von 5 Mrd.DM wollen Daimler-Chef Jürgen Schrempp und sein Chrysler-Kollege Rober Eaton künftig einsparen und das zum Teil an Kunden weitergeben.Wenn Daimler damit den Preis für eigene Luxuswagen senkt und zugleich seine Rendite erhöht, würde BMW unweigerlich in Schwierigkeiten kommen.

Zudem ist Daimler-Chrysler kaum der Schlußpunkt der Fusionitis.Schrempp zeigte bereits Interesse an der Lkw-Sparte von Nissan, VW verhandelt mit Volvo und auch die mehr oder weniger auf Europa beschränkten französischen Konzerne Renault und Peugeot-Citroen gelten als Übernahmekandidaten.Denn nicht nur Mengeneffekte und daraus resultierende Einkaufsvorteile sind künftig im globalen Kfz-Wettbewerb entscheidend sondern auch eine Präsenz rund um den Globus.Daimler und Chrysler sind in Europa und Amerika verankert.Das gilt auch für Volkswagen sowie die US-Konzerne Ford und General Motors mit seiner deutschen Tochter Opel.

So gesehen macht ein Zusammenschluß zwischen BMW und Fiat wenig Sinn, wie auch Börsenanalysten bemerken.Denn in diesem Fall gebe es keine regionale Komponente, wie bei Daimler-Chrysler.In München und Turin werde vorwiegend für Europa produziert, was im Fall eines Zusammengehens zu Überschneidungen und nur minimale Marktausweitung führt.Auch eine feindliche Übernahme muß BMW zumindest so lange nicht fürchten, wie die Familie Quandt, die rund die Hälfte von BMW kontrolliert, zum Unternehmen steht.

Für ein Abrücken gibt es keine Anzeichen.Wahrscheinlicher scheint da schon eine Ausweitung von BMW nach Amerika oder Asien.In den USA gibt es nur die Riesen Ford und General Motors, was für BMW automatisch die Rolle eines Juniorpartners bedeuten würde.Zudem sind die Münchner gerade dabei, mit dem Aufbau einer US-Produktion dort den Markt aus eigener Kraft zu bedienen.Das kann dauern, muß aber nicht erfolglos bleiben.Viele Experten rechnen deshalb am ehesten mit einer japanischen BMW-Allianz.Mit Ausnahme von Toyota gelten auch dort alle Produzenten als nicht groß genug, um allein bestehen zu können.Gegenüber Nissan, Honda & Co würde BMW schon eher eine ebenbürtige Rolle spielen, was dem eigenen Selbstverständnis entgegenkommt.Japans Wirtschaftskrise könnte ein solches Szenario schneller Wirklichkeit werden lassen als man denkt.Losgelöst von konkreten Spekulationsobjekten räumt man auch in München ein, daß in der Branche derzeit jeder mit jedem spricht.Offiziell sieht sich BMW seit der Übernahme von Rover 1994 als groß genug für einen Alleingang rund um den Globus.Zumindest Teile der BMW-Aktionäre stehen dem skeptisch gegenüber, wie bei der jüngsten Hauptversammlung klar wurde.BMW müsse unter die zehn führenden Autokonzerne der Welt vorstoßen, um langfristig überleben zu können, forderten sie.Seine Antwort geriet Pischetsrieder zum Scherz.Durch die Fusion von Daimler und Chrysler mache BMW ja schon einen Platz gut, weil so schon ein Wettbewerber aus den Hitlisten verschwindet.Vielleicht wird der BMW-Lenker bald ernster.

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