Wirtschaft : Jetzt stehen die großen deutschen Geldinstitute unter Zugzwang

gja/mot

(). Die Entscheidung im französischen Bankenkrieg ist am Freitag von Demonstrationen begleitet worden. Mehrere hundert Angestellte der Großbank Société Générale (SG) in Paris gingen gegen die geplante Übernahme durch den Konkurrenten BNP vor dem SG-Sitz auf die Straße. Am späten Freitag Abend wollte die Bankenaufsichtsbehörde CECEI ihre Entscheidung bekanntgeben, ob die von BNP geplante Fusion zu Stande kommt. Bis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe lag noch kein Beschluß vor. Das mögliche Zusammengehen der französischen Großbanken nährte unterdessen vor dem Wochenende erneut die Fusionsfantasie in der Branche. Ein Bankenanalyst der Union Investment sagte großen Handlungsbedarf auf Seiten der deutschen Banken voraus, sollte die geplante Mega-Fusion der Franzosen zustandekommen. Aktien der deutschen Institute notierten an der Frankfurter Börse uneinheitlich.

Die Entscheidung des Gremiums unter Leitung von Notenbankchef Jean-Claude Trichet zieht den Schlussstrich unter die erbitterte Auseinandersetzung zwischen BNP, SG und der Bank Paribas. Die BNP hatte im März dieses Jahres angekündigt, sie wolle SG und Paribas übernehmen, die sich zu dem Zeitpunkt beide gerade im Fusionsprozess befanden. Die zwei Geldhäuser lehnten ab. Trotzdem konnte sich die BNP nach Informationen aus französischen Finanzkreisen durch Aktientausch 65,1 Prozent des Kapitals der Paribas sichern; BNP-Chef Michel Pebereau übernahm bereits am Mittwoch den Paribas-Vorsitz des bisherigen Chefs Andre Levy-Lang. BNP verfügt auch 36,8 Prozent des Kapitals der Société Générale. Presseberichten zufolge schwenkten inzwischen weitere Großaktionäre der SG auf den Kurs der BNP ein. Sie kontrolliere nun mehr als 43 Prozent des SG-Kapitals und würde somit eine Sperr-Minorität halten, berichtete die Zeitung "Liberation". Die Bankenaufsichtsbehörde entscheidet nun, ob der Anteil der BNP an der SG groß genug für eine Übernahme ist.

Das mögliche Zusammengehen der französischen Großbanken heizt die Spekulationen über weitere Fusionen in der Branche weiter an. In Deutschland hatten sich Anfang der Woche die Gerüchte über eine teilweise Fusion der Dresdner mit der Deutschen Bank verdichtet, nachdem die Dresdner Bank eingeräumt hatte, es werde seit einiger Zeit über eine engere Kooperation im Privatkundengeschäft gesprochen.

An der Börse legte der deutsche Bankensektor dank immer wieder aufflammender Spekulationen 1999 am Aktienmarkt überdurchschnittlich zu. Allein mit der jüngsten Geschäftsentwicklung hätten es die Banken kaum dazu gebracht, denn die Halbjahreszahlen fielen zwar ordentlich aus, rissen aber niemanden vom Stuhl. Die Fusionsfantasie macht derzeit aber, wie Analysten einräumen, manche fundamentale Schwäche wett. "Auch in den nächsten Monaten wird das Fusionsthema die Story bleiben", glaubt Bankanalyst Andreas Neubauer von ABN Amro. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich in Luft auflöst, ist in der Tat gering. Denn die deutschen Banken sind in Zugzwang: Sie haben im internationalen Vergleich - unter anderem wegen geringer Marktanteile im Privatkundengeschäft - Renditeprobleme, eine eher niedrige Marktkapitalisierung und eine schlechte Ausgangsposition für die Konsolidierung in Europa. Zugleich bilden sich in anderen Märkten schlagkräftige nationale Champions. So lautet die Frage nicht mehr ob, sondern nur noch wann in Deutschland Ähnliches passiert und wer sich zuerst bewegt.

Manche deutsche Bankaktie findet bei Analysten dabei durchaus Liebhaber. So führt Goldman Sachs Deutsche und Dresdner auf seiner europäischen Empfehlungsliste. ABN Amro empfiehlt die Deutsche Bank zum Kauf und hält die Hypo-Vereinsbank aus strategischer Sicht im BankenFusionspuzzle für ein zentrales Teil. Nach Ansicht von Georg Kanders von WestLB Panmure hat die Deutsche Bank, die er als Outperformer einstuft, die beste strategische Ausgangsposition.

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