Wirtschaft : Jobben statt chillen

Viele Schüler nutzen die Ferien, um arbeiten zu gehen – in Eisdielen, Supermärkten und Imbissen

Lucinde Boennecke,Anja Voss
In Kneipen geht fast immer was für Schüler und Studenten. Umgekehrt würde ohne diese kaum ein gastronomischer Betrieb überleben können. Foto: avatra
In Kneipen geht fast immer was für Schüler und Studenten. Umgekehrt würde ohne diese kaum ein gastronomischer Betrieb überleben...Foto: avatra/espn

Berlin - Ferienzeit muss nicht Freizeit sein. Immer mehr Berliner Schüler entscheiden sich für einen Ferienjob. Erste Anlaufstelle dazu sind meist die Eltern, Freunde und Bekannte, die bei der Jobsuche helfen sollen. Doch auch ohne „Vitamin B“ gibt es Wege zur Ferienarbeit. Gibt man im Internet den Suchbegriff „Ferienjob“ ein, findet man zahlreiche Jobangebote für Schüler und Studenten. Schaut man sich die Treffer dann genauer an, wird schnell klar: Schüler unter 18 Jahren haben hier nur wenig Chancen.

Auch bei der Bundesagentur für Arbeit kommen Minderjährige nicht weiter. Über die Arbeitsagentur würden nur sehr selten Schüler- oder Ferienjobs gemeldet, heißt es bei der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. Der Markt funktioniere anders. Jugendliche würden sich untereinander über Ferienjobs informieren und diese untereinander weitergeben. Wer nicht das Glück hat, gute Tipps von Freunden oder Klassenkameraden zu bekommen, kann doch noch im Internet fündig werden – wenn er weiß, wo er suchen muss. Internetportale wie www.schuelerjobs.de, www.ferienjobs4you.de und www.ferienjobber.net bieten Ferienjobs für Schüler. „Der uneingeschränkte Klassiker für Jugendliche unter 16 Jahren ist der Zeitungsverteiler“, sagt Sascha Ropertz, Geschäftsführer der Seiten „Schülerjob.de“ und „Ferienjobber.net“. „Die Schüler werden pro Stück bezahlt, zwischen acht und zehn Cent pro ausgelieferter Zeitung.“ Teilt man Zeitungen in einem Wohnblock mit Hochhäusern aus, kann ganz schön was zusammenkommen.

Auch das Wareneinpacken für Kunden im Supermarkt oder das Auffüllen von Regalen sind mögliche Ferienjobs. Die Supermarktkette Kaiser’s gehört zu den Unternehmen, die Schüler in den freien Sommermonaten beschäftigen. Es gibt aber noch weitere Einsatzgebiete. „Ab 16 Jahren wird das Thema Service und Gastronomie interessant“, sagt Ropertz. Gerade Eiscafés seien im Sommer eine gute Möglichkeit, ein paar Euro zu verdienen.

Die Berliner Kette Eis-Hennig bietet beispielsweise von März bis September Schülerjobs an. Aufgrund der langen Öffnungszeiten werden allerdings erst Schüler ab 17 Jahren eingestellt. Robert, 18 Jahre alt, jobbt seit etwa drei Monaten bei Eis-Hennig in Steglitz. „Ich wohne gleich hier um die Ecke. Und da bin ich einfach mal vorbei und habe gefragt. Es war mein zweiter Versuch, und ich wurde gleich genommen“, berichtet Robert. Vorher hat er manchmal bei seinem Vater im Büro ausgeholfen. Die Ferienzeit nutzt er vor allem zum Geldverdienen. Drei Mal die Woche kreiert er nun bunte Eisbecher im Eiscafé.

Auch auf der Internetseite der Fastfood-Kette McDonald’s können Schüler gezielt nach Jobs in bestimmten Regionen suchen. „Grundsätzlich stellen die einzelnen Filialen auch Schüler für die Bereiche Küche, Kasse, Service und McCafé ein“, sagt Jennifer Gehrmann, Konzernsprecherin für die Region Nord-Ost. Offene Stellen gibt es derzeit aber nur in Brandenburg, nicht in Berlin. Das kann sich aber täglich ändern.

Der Stundenlohn liegt in Brandenburg laut Tarifvertrag bei 6,75 Euro, im Westen bei 7,50 Euro. Schüler unter 18 Jahren dürfen nur zu bestimmten Zeiten, beispielsweise nachmittags arbeiten. Zudem achtet Mc Donald’s nach eigenen Angaben strikt darauf, dass die Einkommensobergrenze für geringfügig Beschäftigte in Höhe von 400 Euro monatlich nicht überschritten wird (siehe Kasten).

Bei der Suche nach einem Ferienjob sollten sich die Bewerber auf jeden Fall darüber informieren, was konkret von ihnen verlangt wird – und ob es womöglich gefährlich sein könnte. Schüler dürfen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz keine Arbeiten übernehmen, die gesundheitliche Gefahren beinhalten oder ihr Leistungsvermögen übersteigen. Der Arbeitgeber muss die jungen Arbeitnehmer vor Beginn der Beschäftigung über mögliche Unfall- und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz und deren Verhinderung informieren. Ungeeignet sind deshalb alle Jobs, die mit starker Hitze, Kälte oder Nässe verbunden sind, oder Tätigkeiten, bei denen man mit giftigen oder reizenden Stoffen zu tun hat.

Da immer mehr Schüler ihr Taschengeld in den Ferien aufbessern wollen, sollte man sich rechtzeitig und vor allem professionell bewerben. Wer jetzt spät dran ist, sollte sich das zumindest für die Zukunft merken. Denn die nächsten Ferien kommen bestimmt. In Berlin und Brandenburg Anfang Oktober.

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