Wirtschaft : Jobs rund um den Drachenbau

Kristin Kruthaup[dpa]
Nebenjob. Rainer Hoffmann entwirft in seiner Freizeit Drachen. Foto: dpa
Nebenjob. Rainer Hoffmann entwirft in seiner Freizeit Drachen. Foto: dpaFoto: dpa-tmn

Rainer Hoffmann hat einen Außenseiter entworfen, ein Windspiel, das im Technischen Museum in Berlin steht. Er hat sich den Drachen Bowkite ausgedacht, der so erfolgreich ist, dass die Drachenbaufirma Invento ihn seit mehreren Jahren im Katalog hat. Und er ist der Erfinder eines Dinosaurier-Drachens, der mit sieben Metern Spannweite der Publikumsliebling jedes Drachenfestivals ist. Hoffmann, 49 Jahre alt, ist eigentlich Angestellter im öffentlichen Dienst in Husum. Rund 300 Drachen hat er bisher etwa entworfen – rund 20 davon gingen in die Serienproduktion.

Für die einen sind Drachen nur bunte Punkte am Herbsthimmel. Doch die Experten unterscheiden Ein-, Zwei- und Vierleiner und erkennen Lenk-, Trick- und Speeddrachen an ihrem Flug. Eine Handvoll Firmen in Deutschland sind auf Drachenbau spezialisiert. Vom Drachendesigner über den -produzenten bis zum Verkäufer im Drachengeschäft reicht die Palette der Jobs, die sie bieten.

Elliot, Wolkenstürmer, Colours in Motion und Invento: Wer sich wirklich für einen Job im Drachenbau interessiert, sollte sich an eines dieser Unternehmen wenden. Sie entwickeln und produzieren Drachen noch selbst.

Rainer Kuhlmann ist bei Invento, einem Spielzeuggroßhandel mit mehr als 30 Mitarbeitern. Dort ist er zuständig für die Produktentwicklung von Kinderdrachen, Einleinern und Werbedrachen. Im Herbst sichtet er die Entwürfe von Designern und überlegt mit seinen Kollegen, welche Drachen im nächsten Jahr auf den Markt kommen sollen. Ist die Entscheidung gefallen, setzt er sich selbst in der Werkstatt an die Nähmaschine und baut ein Muster. Möglicherweise werden kleine Änderungen vorgenommen – dann geht das Ganze in die Produktion.

Wer das Hobby zum Beruf machen möchte, und ins Drachengeschäft einsteigen will, hat es nicht leicht. Eine spezielle Ausbildung im Drachenbau gibt es nicht.

Früher hat es an der Universität der Technischen Universität Berlin einmal einen Lehrstuhl Drachenbau gegeben. Doch heute ist das Handwerk aus der Mode gekommen. Kuhlmann empfiehlt deshalb, eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann zu machen. Eine Alternative sei auch, ein Handwerk zu lernen. Das kann zum Beispiel eine Ausbildung zum Segelmacher sein.

Und natürlich ist eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann sinnvoll, erzählt Michael Steltzer. Er ist der Inhaber von Flying Colors, dem ältesten Drachenladen Berlins. Die Auszubildenden beraten zum Beispiel die Kunden und erklären die Unterschiede zwischen den verschiedenen Drachen. Doch bei den Drachenläden hat sich einiges verändert: „Mitte der 90er Jahre gab es einen richtigen Boom “, erinnert sich Kuhlmann. Doch die Zeiten sind vorbei. Nun sind Kiteschirme im Trend. Kristin Kruthaup, dpa

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