Wirtschaft : „Joe“ Ackermann ist nicht der Erste

Manager der Dresdner Bank und der Berliner Volksbank mussten sich auch bereits vor Gericht verantworten – und zurücktreten

Daniel Rhee-Piening

Dass deutsche Banker ihren Posten räumen müssen, weil gegen sie Ermittlungs- oder gar Strafverfahren eingeleitet worden sind, ist selten. Eines der bekanntesten Beispiele: Ex-Dresdner-Bank-Chef Jürgen Sarrazin. Er trat kurz vor Weihnachten 1997 von seinem Posten zurück, nachdem gegen ihn seit längerem wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt worden war.

Bereits 1994 war die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bei der Dresdner Bank auf Konten mit Tarnnamen gestoßen, über die Gelder von Kunden an den Finanzämtern vorbei nach Luxemburg transferiert worden sein sollen. Sarrazin wies seine Schuld bis zum Schluss zurück, akzeptierte aber schließlich einen Strafbefehl über 1,5 Millionen Mark, der mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verbunden war. Die Bank musste eine Geldbuße von 37 Millionen Mark bezahlen. Sarrazin bezeichnete die Einigung mit der Staatsanwaltschaft als „Verständigungslösung“ und erklärte, die Bank habe zu keiner Zeit ein System zum Zwecke der Beihilfe zu Steuerhinterziehungen ihrer Bankkunden installiert.

Schon Mitte September 1997 hatte der langjährige Vorstandssprecher und spätere Aufsichtsratsvorsitzende der Dresdner Bank, Wolfgang Röller, sein Amt niedergelegt, weil die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung gegen ihn geführt hatte. Im selben Monat musste das Dresdner-Vorstandsmitglied Hans-Günther Adenauer zurücktreten. Er hatte nach einer Selbstanzeige 400000 Mark Steuern nachzahlen müssen. Auch das Vorstandsmitglied Hansgeorg Hofmann schied aus. Hofmann hatte sich ebenfalls selbst angezeigt, Steuern in Millionenhöhe nicht abgeführt zu haben.

Bereits 1985 musste übrigens der damalige Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Hans Fridrichs , sein Amt abgeben. Er war im Zusammenhang mit der Flick-Affäre mit einer Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung belegt worden.

In Berlin traf es den damaligen Chef der Berliner Volksbank, Ulrich Misgeld. Er musste im Februar 1999 seinen Posten als Vorstandssprecher räumen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Betrug und Untreue im Zusammenhang mit der Schieflage zweier Immobilienfonds vor. Den Schaden bezifferte die Staatsanwaltschaft auf mehr als 66 Millionen Euro. Der Prozess scheint sich jetzt dem Ende zu nähern. An kommenden Donnerstag werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erwartet. Am 30. September könnte ein Urteil gesprochen werden. Misgeld rechnet offenbar weiterhin fest mit einem Freispruch.

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