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John Cryan legt Zahlen vor : Ein schlimmes Jahr für die Deutsche Bank

9000 Jobs, die Postbank, die Berliner Bank: Deutsche-Bank-Chef John Cryan streicht beim Geldhaus, wo er kann. Eine Bilanz wie in diesem Jahr soll es nicht mehr geben.

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Mit wehenden Fahnen. Der Deutschen Bank ging es schon lange nicht mehr so schlecht.
Mit wehenden Fahnen. Der Deutschen Bank ging es schon lange nicht mehr so schlecht.Foto: Arne Dedert/dpa

Die Deutsche Bank hat ein schlimmes Jahr hinter sich – und so schnell wird es nicht besser. „Wir alle wissen, dass eine Restrukturierung sehr herausfordernd sein kann“, sagte Co-Chef John Cryan am Donnerstag in Frankfurt am Main. Man brauche „Zeit, Entschlossenheit und Geduld“. Auch für 2016 erwartet er deshalb einen Verlust. Im gerade abgelaufenen Jahr hatte das bei 6,8 Milliarden Euro gelegen – ein Rekordverlust. Und trotzdem gibt sich Cryan optimistisch. Zumindest langfristig. „Die Deutsche Bank wird wieder erfolgreich sein, aber das geschieht nicht über Nacht“, sagte er.

Erst einmal muss Cryan aufräumen. Der Umbau der Bank steht an mit der Schließung von Filialen und dem Abbau von netto 9000 Arbeitsplätzen. Hinzu kommen weitere Kosten für Rechtsstreitigkeiten. Den 2015 aktiven Vorstandsmitgliedern und damit auch Ex-Co-Chef Anshu Jain hat der Aufsichtsrat wegen des Rekord-Verlustes zum ersten Mal seit 2008 den kompletten Bonus gestrichen. Cryan hat Verständnis. „Ich akzeptiere diese Entscheidung.“

"Der Bonustopf wird kleiner ausfallen"

Auch die anderen weltweit rund 101.000 Beschäftigten der Bank müssen sich auf Einschnitte einstellen. „Der Bonustopf wird kleiner ausfallen und ich denke das ist richtig“, sagte Cryan ohne Details zu nennen. „Ich hoffe, dass demotiviert die Mitarbeiter nicht zu stark.“ Er selbst fühle sich für den Verlust von 6,8 Milliarden Euro verantwortlich. Er war noch einmal um 100 Millionen größer als jene 6,7 Milliarden, die die Bank schon vor einer Woche bekanntgegeben hatte. Hauptgründe für das Rekordminus sind weitere 5,2 Milliarden Euro für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten, Abschreibungen von rund 6,5 Milliarden Euro und Rückstellungen für den geplanten Personalabbau und die Filialschließungen.

Auch im laufenden Jahr wird die Aufarbeitung der Skandale der Vergangenheit für Belastungen sorgen. Die Kosten dafür sollen allerdings geringer ausfallen als 2015. „Wir wollen die Streitfälle so schnell wie möglich beenden. Das liegt aber nicht allein in unserer Hand“, sagte Cryan. Daneben rechnet er erneut mit Kosten von rund einer Milliarde Euro für den Umbau der Bank und für Abfindungen.

Postbank wird verkauft, Berliner Bank verschwindet

Rund 200 der derzeit noch 700 Filialen in Deutschland sollen geschlossen werden. Unter dem Strich sollen in der Bank 9000 Stellenwegfallen. Wo Filialen aufgegeben werden und welche Mitarbeiter gehen müssen, ist allerdings noch unklar. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Sie sind Cryan zufolge auf einem guten Weg. In der zweiten Jahreshälfte sollen die ersten Filialen geschlossen werden, bis Ende 2017 will die Bank die Einschnitte im Privatkundengeschäft abschließen.

Auch Berlin wird von Filialschließungen und Stellenabbau sehr wahrscheinlich betroffen sein. Schließlich hat die Deutsche Bank hier ihren im Bundesvergleich zweitgrößten Standort mit 4000 Beschäftigten – nur in Frankfurt am Main arbeiten noch mehr. Hinzu kommt, dass der Konzern schon jetzt entschieden hat, seine Regionalmarke „Berliner Bank“ aufzugeben. Weil es an vielen Ecken der Stadt jedoch sowohl eine Filiale der Deutschen Bank als auch der Berliner Bank gibt, wird der Konzern wohl auch hier Zweigstellen schließen. Während dadurch einerseits auch Jobs wegfallen werden, will der Konzern sein Risikozentrum in Berlin weiter ausbauen.

"Dinge, die nicht sehr sinnvoll sind"

Einfach wird der Umbau des Konzerns nicht, daran lässt Cryan am Donnerstag keinen Zweifel. Die Reduzierung der Kosten in diesem Jahr und auch 2016 sei die entscheidende Voraussetzung dafür, dass es mit der Bank wieder aufwärts gehe, sagt der Brite. Aber er sehe Licht am Ende des Tunnels. Man habe 2015 beachtliche Erfolge beim Umbau der Bank verzeichnet. Und im eigentlichen Geschäft stehe die Bank nicht schlecht da, in Asien ist sie nach Angaben von Co-Chef Jürgen Fitschen sogar das beste und erfolgreichste internationale Geldhaus.

„Wir verdienen jeden Tag Geld, aber wir müssen es für Dinge ausgeben, die nicht sehr sinnvoll sind. Das ist demotivierend.“ Auch die Aktionäre müssen sich auf weiter schwierige Zeiten einstellen. Der Aktienkurs ist im Keller – am Donnerstag gab er erneut um 0,8 Prozent nach. Und auf eine Dividende müssen Anleger 2016 wie auch schon 2015 verzichten. Frühestens im Jahr darauf dürfen sie Cryan zufolge wieder mit einer Ausschüttung rechnen.

Investmentbanking mit zwei Milliarden Euro Verlust

Die Skepsis des Briten ist verständlich. Zwar gab es in der Vermögensverwaltung ein gutes und im Zahlungsverkehr sogar ein Rekordergebnis. Dafür rutschte die Investmentbank mit zwei Milliarden Euro ins Minus nach einem Gewinn von drei Milliarden im Jahr zuvor. Im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden steht unter dem Strich für 2015 sogar ein Verlust von 3,3 Milliarden Euro, nach einem Überschuss von 1,2 Milliarden Euro ein Jahr. Beide Sparten werden durch Rechtskosten und Rückstellungen schwer belastet.

Ob der eigentlich für 2016 geplante Verkauf oder Börsengang der Postbank tatsächlich in diesem Jahr realisiert werden kann, ist noch unklar, wie Cryan und Schenck einräumen. Trotz der schwierigen Lage der Bank schließt der Brite im Übrigen eine erneute Kapitalerhöhung aus. Dafür bestehe keine Notwendigkeit, jedenfalls ohne „unerwartete äußere Ereignisse“.

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