Josef Ackermann : Hoffnungsträger und Buhmann

Frankfurt/Main - Er war Hoffnungsträger für die Deutsche Bank und sollte Deutschlands größtes Kreditinstitut an die Weltspitze führen. Dieses Ziel hat Josef («Joe») Ackermann, seit 2002 Vorstandssprecher der Bank, erreicht. Das Finanzhaus zählt heute zu den führenden Investmentbanken der Welt. Doch in der deutschen Öffentlichkeit eckte Ackermann immer wieder durch Pannen bei der Vermittlung umstrittener Entscheidungen an. Das scherzhaft gemeinte Siegeszeichen des heute 57-Jährigen zum Auftakt des Mannesmann- Prozess wurde von vielen als Symbol für die Arroganz der Macht und des Geldes interpretiert.

Der im Schweizer Kanton St. Gallen geborene Manager begann seine Karriere bei der Schweizerischen Kreditanstalt. Nach einem steilen Aufstieg wurde der promovierte Betriebswirt 1993 deren Präsident und damit die Nummer zwei im Bankkonzern Credit Suisse. Drei Jahre später wechselte er in den Vorstand der Deutschen Bank. Dort war er schließlich für das Investmentbanking zuständig und galt schon früh als wahrscheinlicher Nachfolger von Vorstandssprecher Rolf Breuer. Bereits im Jahr 2000 wurde Ackermann offiziell für dieses Amt vorgeschlagen, das er dann zwei Jahre später auch antrat.

Extra für Ackermann wurde die Struktur des Top-Managements geändert und auf seine Bedürfnisse zugeschnitten: Der Vorstand besteht heute nur aus vier Mitgliedern, das operative Geschäft liegt in den Händen des mächtigen, eher im Hintergrund agierenden Group Executive Committee. Ackermann ordnete nach dem Zusammenbruch der New Economy die Trennung von Randgeschäften an, strich Zehntausenden von Stellen und trimmte den Finanzkonzern auf eine hohe Rendite. Mehrfach konnte er dabei interne Kritiker, die sich für eine stärkere Konzentration der Bank auf den Heimatmarkt einsetzten, in ihre Schranken verweisen. Der Liebhaber klassischer Musik ist mit einer Finnin verheiratet und hat eine Tochter. Die Familie lebt in Zürich. (tso/dpa)

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