Josef Ackermann : Noch ein Abgang

Der frühere Chef der Deutschen Bank legt jetzt auch seinen Posten im Siemens-Aufsichtsrat nieder. In Berlin erklärt er, warum.

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Josef Ackermann von der Seite
Josef Ackermann legt auch sein Aufsichtsratsmandat bei Siemens nieder.Foto: dpa

Klare Worte, große Auftritte. Das ist der Stil des Josef Ackermann. Durch eine verspiegelte Flügeltür betritt er an diesem Donnerstag den Saal im Regent Hotel am Gendarmenmarkt. „Es ist schön, mal wieder in Berlin zu sein“, sagt er und lächelt in die Kameras. Eigentlich ist er gekommen, um ein neues Buch über seine Zeit als Chef der Deutschen Bank vorzustellen. „Späte Reue“, heißt die Biografie, die Ackermanns Sprecher Stefan Baron geschrieben hat. Doch dann wird aus Ackermanns Lobesrede auf das Buch eine Rechtfertigung seiner selbst.

Ihr Höhepunkt ist ein Satz, der sofort über den Ticker der Nachrichtenagenturen läuft: „Ich habe entschieden, aus dem Aufsichtsrat von Siemens zurückzutreten“, sagt Ackermann. Er liest die Worte von seinem Manuskript ab, seine Stimme klingt ruhig. Nur wenig sagt er zur Begründung. Es habe unterschiedliche Auffassungen von Fairness gegeben.

Ackermann soll sich Ende Juli hinter den damaligen Siemens-Chef Peter Löscher gestellt haben, als andere dessen Rücktritt forderten. Durchgesetzt hat sich am Ende dann doch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, Löscher musste gehen. Jetzt zieht Ackermann die Konsequenz und legt sein Amt im Kontrollgremium des Technologie-Konzerns nieder.

Im Abgang ist Ackermann mittlerweile geübt. Es ist sein zweiter Rücktritt in kürzester Zeit. Erst vor zwei Wochen hatte er seinen Posten als Verwaltungsratschef bei dem Schweizer Versicherer Zurich Insurance Group niedergelegt, nachdem deren Finanzvorstand Pierre Wauthier Selbstmord begangen hatte.

Am Donnerstag betont Ackermann erneut: „Dass ich in einem Brief des Verstorbenen verantwortlich oder mitverantwortlich gemacht wurde für seinen Suizid, muss ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen.“ Die Anschuldigungen, sein Verhalten könne Wauthier in den Selbstmord getrieben haben, seien in „keiner Weise nachvollziehbar“.

„Unsere Gespräche waren stets sachlich und von gegenseitigem Respekt geprägt“, sagt  Ackermann über den Verstorbenen. Zwar habe er in einer ihrer letzten Unterhaltungen darauf gedrungen, im neuen Finanzbericht „ein ehrliches Bild der Lage zu zeigen und nicht so zu tun, als ob alles bestens wäre“. Doch die Kollegen, die dabei waren, hätten bestätigt, dass das Gespräch „offen und fair“ gewesen sei. Zurückgetreten sei er von seinem Aufsichtsratsposten, weil die Vorwürfe seine Handlungsfähigkeit eingeschränkt hätten.

Der Polarisierer Josef Ackermann
Nur wenigen gelingt es, sich zum pars pro toto zu machen. Der Schweizer Josef Ackermann hat in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank große Erfolge gefeiert und für viel Furor gesorgt. Kaum einer wirkte so polarisierend in Politik und Gesellschaft wie er. Einer ganzen Branche hat er seinen Namen gegeben: Ackermänner. Jetzt tritt er ab. Eine Ära endet.Weitere Bilder anzeigen
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31.05.2012 17:55Nur wenigen gelingt es, sich zum pars pro toto zu machen. Der Schweizer Josef Ackermann hat in seiner Zeit als...

In Zukunft, sagt Ackermann, will er sich verstärkt auf seine Tätigkeit an Universitäten konzentrieren. Ob er seinen Studenten dann auch die neue Biografie in die Hand drückt? Ackermann sagt, er habe das Buch „mit großer Spannung in einer Nacht durchgelesen“. Zwar würde er nicht „jede Bewertung“, die Stefan Baron darin vorgenommen habe, unterschreiben. Aber die Lektüre helfe, besser „die Zwänge zu verstehen, denen Unternehmenschefs in einer globalen Wettbewerbsgesellschaft ausgesetzt sind.“

In dem Buch beschreibt Baron, wie sich Ackermanns Sicht auf die Finanzwelt in den Jahren der Krise ändert. Wie er sich auf den Werte-Kompass besinnt, „den sein Elternhaus ihm einst fürs Leben mitgegeben hat“. Wie aus dem Banker ein Staatsmann wird, der den Politikern hilft, eine Antwort auf die schwere Finanzkrise zu finden.

Ackermann selbst sagt, „Späte Reue“ sei nicht „irgendein Buch“ über ihn. Mit Baron habe es ein Mann geschrieben, „der mich so gut kennengelernt hat wie kaum ein anderer außerhalb meiner Familie“. Besonders persönlich ist die Biografie seines Sprechers aber dennoch nicht. So erfährt der Leser lediglich, dass Ackermanns Mitarbeiter dafür sorgen, „dass für Notstände genügend Toblerone-Schokolade in der Schublade“ liegt. Oder dass die Sekretärin stets rechtzeitig den Fahrstuhl holt, damit Ackermann sofort nach unten in die Tiefgarage fahren kann, wenn er sein Büro verlässt.

Auch bei seinem Auftritt in Berlin wartet vor der Tür bereits das Auto. Fragen will er, so scheint es, bewusst nicht beantworten. „Ich muss weiterziehen“, sagt Ackermann und geht.

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