Wirtschaft : Jubel bei Beteiligungsgesellschaften, Ablehnung bei Investmentfonds

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Wenige Tage vor der Bekanntgabe des detaillierten Referentenentwurfs zur Unternehmensteuerreform der rot-grünen Bundesregierung hat das Konzept von Finanzminister Hans Eichel (SPD) zu Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft geführt.

Eichels Plan, die aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen erzielten Gewinne bei Kapitalgesellschaften künftig vollkommen steuerfrei zu stellen, überrascht vor allem die Beteiligungswirtschaft positiv. "Wir können das kaum glauben", kommentierte Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Kapitalbeteiligungsgesellschaften, das unverhoffte Steuergeschenk der Regierung am Mittwoch. Sollte der Steuerentwurf zum Gesetz werden, sagte Frommann dem Tagesspiegel, führe dies zu einer "grandiosen Ausweitung" des Marktes. Nicht nur die Renditeerwartungen der Gesellschaften würden dann fast über Nacht weit nach oben korrigiert werden können. Den Gesellschaften bliebe auch sehr viel mehr Anlagekapital. Frommann prognostiziert für diesen Fall sogar, dass es dem deutschen Beteiligungsmarkt innerhalb sehr kurzer Zeit gelingen könnte, Spitzenreiter im europäischen Vergleich zu werden. Mit einem Beteiligungsvolumen von rund 14,2 Milliarden Mark führte 1998 Großbritannien diesen Markt an. Im Vergleich dazu: In Deutschland investierten Beteiligungsgesellschaften nur etwa 3,8 Milliarden Mark. Das Bundesfinanzministerium will in der kommende Woche die Einzelheiten der Unternehmensteurreform, die am 9. Februar vom Bundeskabinett beschlossen werden soll, bekannt geben.

Im Gegensatz zu den Beteiligungsgesellschaften fürchten die Investmentgesellschaften allerdings Nachteile. Nachdem die Bundesregierung offenbar eine schärfere Besteuerung der Kursgewinne von Investmentfonds erwägt, um diese Sparform steuerlich dem Aktiensparen gleich zu stellen, warnten Branchenvertreter am Mittwoch vor den Folgen. Falls sich diese Überlegungen durchsetzen sollten, drohe eine "Doppelbesteuerung", sagte Eckhard Bergmann Sprecher der Deutsche-Bank-Tochter DWS, dem Tagesspiegel. Hans Werner Martin vom Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften kündigte an, dass ein solcher Schritt zu Lasten der Investmentsparer gehen würde. Im Gegensatz zu anderen Anlegern müssen Investmentfonds Kursgewinne bislang auch dann nicht versteuern, wenn sie Aktien innerhalb der so genannten Spekulationsfrist wieder veräußern. Sollten die Gesellschaften den Finanzämtern ihrer Anleger künftig die Kursgewinne aus deren Fonds mitteilen müssen, entstünde ein "gigantischer Aufwand", der vom Sparer bezahlt werden müsste, sagte Martin.

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