Jubiläum : Höher, schneller, internationaler

20 Jahre DAX: Drei Buchstaben haben dem Finanzmarkt ein Gesicht gegeben. Doch nicht immer waren die Renditen gut.

Stefan Kaiser

Der erste Handelstag dauerte gerade mal zwei Stunden. Von 11 Uhr 30 bis 13 Uhr 30 trafen sich die Händler am 1. Juli 1988 auf dem Parkett der Frankfurter Börse. Die kurzen Zeiten waren damals üblich. Danach ging es häufig in die umliegenden Kneipen. Doch am 1. Juli gab es einen besonderen Grund zum Feiern: die Geburtsstunde des Dax.

„Wir wollten ein nach außen wirkendes Symbol haben, vergleichbar dem Dow Jones“, erinnert sich der Chef des Deutschen Aktieninstituts, Rüdiger von Rosen, der neben Artur Fischer (siehe Interview) als einer der Väter des Dax gilt. „Wir hatten eine Reihe von Indizes, aber die spiegelten nicht in vergleichbarer Weise die deutschen Unternehmen wider“, erklärt Rosen.

Im Dax wurden die 30 größten börsennotierten Unternehmen des Landes zusammengefasst – berechnet nach Börsenwert (Marktkapitalisierung) und Börsenumsatz. Von der Urbesetzung von 1988 sind mittlerweile 14 Mitglieder nicht mehr dabei. Firmen wie Feldmühle Nobel, Degussa oder Mannesmann wurden entweder von anderen überholt oder übernommen. Neue Computer- oder Gesundheitskonzerne wie SAP, Infineon oder Fresenius Medical Care kamen hinzu. „Der Strukturwandel der Wirtschaft wird im Dax dokumentiert“, sagt Rosen.

Auch regional hat sich der Dax verändert. Berlin hat sein einziges Mitglied Schering 2006 mit der Übernahme durch Bayer verloren. 24 der 30 Dax-Unternehmen sitzen heute in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. Unter den Städten hält München mit acht Konzernen die Spitzenposition, gefolgt von Düsseldorf mit vier sowie Bonn und Frankfurt am Main mit je drei Unternehmen.

Der Dax machte die deutschen Konzerne internationaler. Ausländische Aktionäre stellen mittlerweile die Mehrheit in den Unternehmen. „Wer aus dem Dax entnommen wird, entzieht sich einem wichtigen Kreis von Investoren“, sagt Alexander Krämer, Indexspezialist der Commerzbank.

Mit dem Dax ließ sich im Laufe der Zeit gutes Geld verdienen. Gestartet war der Index vor 20 Jahren bei 1163 Punkten. Heute notiert er trotz jüngster Rückschläge fast 500 Prozent höher bei 6421 Punkten. Von 1988 bis 2007 ist der Dax pro Jahr im Schnitt um elf Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Rentenindex Rex, das Dax-Pendant für Anleihen, kommt in der gleichen Zeit auf eine Jahresrendite von 6,1 Prozent. Doch die tatsächliche Rendite hängt bei Aktien vom Zeitpunkt des Einstiegs ab. Das beste Jahr seiner Geschichte erlebte der Index 1997, als der Dax um sagenhafte 47 Prozent stieg. Das schlechteste Jahr war 2002; damals ging es um 44 Prozent nach unten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar