Wirtschaft : Judentum: Recht als Grundlage

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Der Talmud, neben dem Tanach die zweite Heilige Schrift der Juden, ist voller rechtlicher Vorschriften, auch für die Wirtschaft. Zum Beispiel werden dort Grundstücksverträge beschrieben. „Es gibt keinen nichtreligiösen Rechtsbereich im Judentum“, sagt Karl Grözinger, Religionswissenschaftler an der Universität Potsdam.

Glaubensvorschriften werden im Judentum differenziert ausgelegt und den jeweiligen Umständen angepasst. So habe das Verbot, untereinander Zinsen zu nehmen, zu einem Mangel an Krediten geführt, so Grözinger. Die Juden entwickelten daher schon zu biblischen Zeiten die Möglichkeit, als Kapitalgeber Geld nicht zu verleihen, sondern Anteilseigner zu werden und später am Gewinn teilzuhaben.

Was unter Glaubensbrüdern galt und noch heute gilt, hat aber keine Gültigkeit für den Umgang mit NichtJuden. So erstreckt sich das Zinsverbot nicht auf Geschäfte mit Christen oder Muslimen. Im Gegenteil: Seit jeher betreiben viele Juden das Geldverleihgeschäft.

Das hat historische Gründe. Juden waren in Deutschland bis zum 19. Jahrhundert von Landbesitz, Ackerbau und dem Zunft-Handwerk ausgeschlossen. Daher waren sie gezwungen, auf andere Berufe auszuweichen. Zu den „typisch jüdischen Berufen“ zählen neben dem Bankgewerbe, der Arzt- und der Kaufmanns-Beruf. Noch heute haben die Juden starken Einfluss auf den Diamantenhandel.

In vielen dieser Bereiche haben die Juden Spitzenpositionen erreicht. Bekannte Bankiers wie Rothschild oder Oppenheim, erfolgreiche Kaufleute wie Wertheim oder Hermann Tietz (Hertie) haben Geschichte geschrieben. Wertheim und Tietz haben ihr Eigentum jedoch in der Nazizeit verloren. ueb

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