Wirtschaft : Jürgen Peschel

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Der Sprudel-Manager aus dem Breisgaujojo

Wenn Jürgen Peschel die Ohren spitzt, dann kann er leise das Klirren der Flaschen aus der Abfüllanlage hören.Hebt er dann den Kopf und schaut vom Schreibtisch auf die gegenüberliegende Wand, so möchte der stattliche Mann am liebsten eine Flasche aufmachen.Da hängen riesige Plakate, auf denen zwei Berliner genüßlich die Sprudelflasche zum Mund führen.Zum Glück ist der Kühlschrank nicht weit, an dem sich der Spreequell-Chef ­ wie alle Mitarbeiter ­ jederzeit bedienen kann.Darin findet sich eine Marke, die Jürgen Peschel vor der Wende höchstens vom Hörensagen her kannte.Heute ist die rote Dose ein wichtiger Teil seiner Verkaufsstrategie: "Club-Cola ist eine Perle", räumt der Spreequell-Geschäftsführer der Brause aus DDR-Zeiten für die Zukunft gute Chancen ein.Als das pechschwarze Getränk noch ausschließlich in der DDR zu haben war, arbeitete der 45jährige hunderte Kilometer entfernt in Süddeutschland. Jürgen Peschel ist erst seit Januar Geschäftsführer des Berliner Mineralwasserabfüllers.Noch immer lebt die Familie, seine Frau und die beiden Töchter, im Eigenheim im schwäbischen Aalen.Doch das soll sich bald ändern.Wenn die Älteste nächstes Jahr ihr Abitur in der Tasche hat, wird die Familie an die Spree umziehen.Der studierte Betriebswirt Peschel hat es sich derweil bereits in einem Apartment im Prenzlauer Berg gemütlich gemacht."Mein Vorgänger hat mir noch empfohlen, in den Westen zu ziehen", erzählt der gebürtige Freiburger genüßlich, "doch ich fühle mich im Osten pudelwohl." Schließlich muß er auch an seinem Arbeitsplatz mit vielen Ostdeutschen auskommen."95 Prozent" der rund 100 Beschäftigten seien aus dem Osten, schätzt der Badener, "und eine ganze Menge davon kenne ich schon". Eine offene Tür zum Chef, das gehört für den Sprudel-Manager zur Philosophie.Daneben ist er sich nicht zu schade, auch als Chef mit abgeschlossenem Studium noch einmal zur Schule zu gehen.Vor zwei Jahren hat sich der Badener Wochenende für Wochendende in einen Seminarraum der Stuttgarter Verwaltungsakademie gesetzt und Managementwissen gebüffelt.Seither ist er "Management-Consultant" und Vereinsmitglied im "Management-Consulting-Club", der von ihm mitgegründeten Absolventenorganisation."Das ist eigentlich mein einziges Hobby", erzählt Peschel, "sonst bin ich von morgens neun bis abends zehn, elf am Schreibtisch".Mitleid über die langen Arbeitszeiten läßt er nicht gelten: "Das macht mir doch Spaß." Nur am Freitag, da ist vielleicht etwas früher Schluß: Dann fährt Peschel gen Süden ­ "fünf Stunden", sagt er.Vom nächsten Jahr an kann er die Wochenenden dann für die von ihm so hoch geschätzte Berliner Kulturszene nutzen.

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