Jugendarbeitslosigkeit in Europa : Schwache Bilanz für "Jugendgarantie"

Frühes Eingreifen für die Zukunft von Europas Jugend: Die EU-Kommission stellt dem Konzept "Jugendgarantie" eine schwache Bilanz aus. Erst zwölf von 28 Staaten haben Entwürfe zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorgelegt.

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Europaweit stehen mehr als 5,5 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung da.
Europaweit stehen mehr als 5,5 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung da.Foto: dpa

Berlin - Junge Menschen auffangen, bevor sie in ein Loch fallen: Die Eu-Kommission drängt im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Teilen Europas zu größeren Anstrengungen. „Es wäre schön, wenn einige Länder schneller planten“, sagte Detlef Eckert, Direktor für Beschäftigungspolitik bei der EU-Kommission, am Montag in Berlin. Vor über einem Jahr, im April 2013, hatten die EU-Länder sich auf ein Konzept zur Verbesserung der Perspektiven junger Arbeitsloser verständigt – die so genannte „Jugendgarantie“. Erklärtes Ziel ist, dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren, egal ob sie arbeitslos gemeldet sind oder nicht, binnen vier Monaten nachdem sie arbeitslos wurden ein Angebot erhalten. Das kann eine Arbeitsstelle, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder auch nur eine Fortbildung sein. Eine sinnvolle Tätigkeit jedenfalls, die zum Profil des arbeitslosen jungen Menschen passt - so haben es die Länder formuliert.

Mancherorts bilden Unternehmen gar nicht aus

Bisher haben von 28 Mitgliedstaaten aber erst zwölf Programme eingereicht, acht weitere arbeiten eigenen Aussagen nach daran. Doch erst, wenn die Konzepte verabschiedet sind – das ist bislang nur bei Frankreich der Fall – , fließt Geld aus dem Europäischen Sozialfonds und der Jugendbeschäftigungsinitiative. Sechs Milliarden Euro stehen zur Verfügung. „Es kommt auch auf die Reformbereitschaft der Länder an“, sagte Eckert. Die konkrete Umsetzung der Idee erfordere eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: Behörden, Arbeitsämter, Berufsberatungsstellen, Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, Unternehmen, Gewerkschaften - sie alle müssten sich mehr engagieren. Eine nachweislich erfolgreiche Politik fährt Finnland, einer Studie zufolge konnten dort zuletzt 85 Prozent aller jungen Arbeitslosen in erfolgsversprechende Anschlussbeschäftigungen vermittelt werden. Vorbild ist für viele Länder auch das deutsche System der dualen Ausbildung. In zu vielen Staaten habe man Ausbildung bislang ausschließlich als Aufgabe des Bildungsministeriums begriffen, urteilt die Kommission. In einigen Ländern müssten sogar erst Gesetze geändert werden, ehe Firmen Jugendliche ausbilden können.

EU-weit sind mehr als 5,5 Millionen junge Menschen arbeitslos. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die magere Bilanz des Programms Jugendgarantie am Freitag verurteilt: „Das kann kein Mensch verstehen“, sagte sie nach dem EU-Gipfel in Brüssel dazu, dass von den sechs Milliarden Euro noch nichts ausgegeben worden ist.

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