Wirtschaft : Jukos-Krise treibt Ölpreis auf Rekordhoch Gerichtsvollzieher greifen durch/Förderstopp droht

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Moskau/Berlin Der Preis für Öl hat am Mittwoch an den internationalen Märkten Rekordmarken erreicht. In New York kostete ein Barrel (159 Liter) an den Terminbörsen zur Auslieferung im September bis zu 43,05 Dollar. Das ist der höchste Preis seit Aufnahme des Terminhandels in New York vor 21 Jahren. In London wiederum kostete Öl in den September-Kontrakten so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Aktienmärkte reagierten mit Verlusten, zumal aus den USA Konjunkturdaten kamen, die schlechter als erwartet ausfielen.

Grund für die schlechte Stimmung an den Ölmärkten ist der schärfer werdende Streit um die Steuerschulden des russischen Ölkonzerns Jukos. Gerichtsvollzieher wiesen die vier Fördergesellschaften an, sofort die Veräußerungen von Vermögenswerten zu stoppen. Das erklärte das Justizministerium. Damit muss nach Unternehmensangaben auch der Ölverkauf eingestellt werden. Der Betrieb gehe zwar normal weiter, hieß es bei Jukos. Doch in wenigen Tagen drohe der Produktionsstopp, warnte die Konzernführung in einem Brief an die Moskauer Justizbehörden. 15000 Beschäftigte müssten entlassen werden. Die Behörden wiesen die Warnung als „Erpressung“ zurück.

Ingsgesamt produziert Jukos täglich 1,7 Millionen Barrel Öl – etwa 15 Prozent der gesamten russischen Förderung. Justizminister Juri Tschaika bestätigte, dass der bereits beschlagnahmte Förderbetrieb Juganskneftegas zur Tilgung von Steuerschulden verkauft werden soll. Allein für das Jahr 2000 muss Jukos 2,8 Milliarden Euro nachzahlen. Nach Angaben von Gerichtsvollziehern wurden bisher umgerechnet 427 Millionen Euro eingetrieben.

Jukos-Chef Stephen Theede sagte, man führe Gespräche mit dem Justizministerium. Dabei gehe es in erster Linie aber um die Verwendung von mehreren Millionen Dollar, die auf Konten des Konzerns lägen. Diese seien noch nicht eingefroren. Jukos bitte nun um eine Genehmigung der Regierung, damit das Geld für die Aufrechterhaltung der Produktion verwendet werden könne, sagteTheede. Sollte der Konzern keinen Zugang zu zusätzlichen Mitteln erhalten, werde Yukos zunächst die Erdöllieferungen per Bahn einstellen. Die Vorauszahlung der Eisenbahntransporte sei nur bis einschließlich der ersten Augustwoche gewährleistet, erklärte Theede. Von einem Ausfall wäre vor allem China betroffen.

Rainer Wiek vom Fachblatt Energieinformationsdienst (EID) sagte aber: „Es ist kaum damit zu rechnen, dass es eine lange Lieferunterbrechung geben wird.“ Die Versorgung der Märkte mit Öl dürfte darum kaum Probleme bereiten. Schließlich strengten sich auch die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zurzeit an, alle Reserven zu mobilisieren (siehe Kasten). Wie weit die Preise noch steigen könnten, sei kaum abzuschätzen. Ein tatsächlicher Lieferstopp von Jukos werde „den Ölpreis noch einmal beflügeln“. hop/dpa/HB

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