Wirtschaft : Jukos sucht Hilfe bei US-Konkursrichtern Gläubigerschutz soll Zwangsversteigerung stoppen

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Moskau/New York Der von einer Zwangsversteigerung bedrohte russische Ölkonzern Jukos will in den USA in letzter Minute seine drohende Zerschlagung abwenden. Das Unternehmen, von dem Russland Steuernachzahlungen von gut 20 Milliarden Euro fordert, habe vor einem Gericht in der texanischen Öl-Metropole Houston Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Insolvenzrechts beantragt, sagte der nach London geflohene Jukos-Chef Steven Theede am Mittwoch.

Außerdem wolle Jukos in den USA mit einer einstweiligen Verfügung die von Russland für Sonntag geplante Versteigerung der wichtigsten Jukos-Fördertochter Juganskneftegaz (JNG) verhindern. Der Eilantrag war beim Gericht in Houston eingereicht worden, weil Jukos-Finanzvorstand Bruce Misamore jetzt von dort arbeite und Jukos in Houston Firmenvermögen besitze, heißt es in einer JNG-Erklärung. US-Richterin Letitia Clark sagte, sie werde die Argumente des Konzerns am Donnerstag anhören und dann über eine einstweilige Verfügung gegen die Versteigerung entscheiden.

Ein Sprecher des staatlichen russischen Vermögensfonds erklärte, die geplante Zwangsversteigerung von JNG finde auf Anordnung der Gerichtsvollzieher statt und könne nur von diesen ausgesetzt werden. Auch der in Moskau arbeitende deutsche Wirtschaftsanwalt Gerd Lenga beurteilt die Jukos-Initiative skeptisch. „Eine US-Entscheidung kommt in Russland nicht zur Anwendung.“ Dieser Einschätzung schlossen sich auch russische Fondsmanager an.

JNG soll zu einem Preis von 8,7 Milliarden Dollar verkauft werden. Als Bieter treten auch der vom russischen Staat kontrollierte Konzern Gazprom und der Ölkonzern Surgutneftegas auf. Finanzkreisen zufolge führt die Deutsche Bank ein Konsortium an, das die JNG-Ersteigerung durch Gazprom mit einem Milliardenkredit finanzieren soll. mbr/tor/HB

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