Wirtschaft : Juncker: Athen verliert Souveränität Kritik am Hilfspaket der Banken

Brüssel/Athen/Berlin - Griechenland wird nach Einschätzung von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker einen Teil seiner Souveränität verlieren. „Es ist wahr, die Souveränität der Griechen wird massiv eingeschränkt“, sagte Luxemburgs Premier dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Griechenland habe jahrelang vom Euro profitiert. „Es hat durch eigenes Verschulden einige Dinge ins Rutschen gebracht. Und wenn man die jetzt wieder mit vereinten Kräften in Ordnung bringt, müssen die Griechen auch verstehen, dass eine kollektive Antwort nötig ist“, fügte Juncker hinzu. „Wir zwingen die griechische Politik mit deren Einverständnis zu einer totalen Kurskorrektur.“

Die Euro-Finanzminister hatten am Samstagabend, wie berichtet, einen neuen Kredit in Höhe von zwölf Milliarden Euro für Athen freigegeben. Das Geld soll bis Mitte Juli in Athen eintreffen – gerade rechtzeitig, um die drohende erste Pleite eines Eurolandes abzuwenden. Nun arbeiten die Partner unter Hochdruck an dem neuen und bis zu 120 Milliarden Euro schweren Rettungsplan, der Griechenland über 2013 hinaus Luft verschaffen soll.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, kritisierte, die ausgehandelte Beteiligung der Finanzwirtschaft sei „kein substanzieller Beitrag für eine faire Lastenverteilung zwischen öffentlicher und privater Seite“. Die privaten Banken und Versicherer aus Deutschland wollen sich mit zwei Milliarden Euro beteiligen. Bis 2014 fällige Anleihen sollen erneut in Griechenland investiert werden. Die staatlichen Abwicklungsbanken der HRE und WestLB sollen weitere 1,2 Milliarden Euro beisteuern.

Zu der Unterstützung Griechenlands gebe es für die Europäer keine Alternative, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann dem „Spiegel“. „Sich auf einen Plan B einzulassen, bedeutet, sich eine Kapuze aufzusetzen und mit 200 Stundenkilometern auf der Autobahn zu fahren.“ Eine Insolvenz Griechenlands hätte größere Auswirkungen als die Pleite der US-Bank Lehman, warnte er. dpa

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