Junge Unternehmen : Wie Rocket Internet die Start-up-Szene befeuert

"Das Geld fließt zurück ins Ökosystem": Ein Insider erklärt, warum Rocket Internet die Berliner Start-up-Szene vorantreibt und wer vom Erfolg des Unternehmens profitiert.

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Selbstbewusst: die Start-up-Schmiede Rocket Internet.
Selbstbewusst: die Start-up-Schmiede Rocket Internet.Foto: dpa

Die Aktie sei undurchsichtig und riskant, das Geschäftsmodell beruhe nur darauf, bestehende Ideen zu kopieren und gnadenlos überall außerhalb der USA und China auszurollen. An der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet lässt derzeit kaum jemand ein gutes Haar. Sein Image der Fantasielosigkeit befeuert das Unternehmen selbst, indem es stolz erklärt, bei Rocket würden Start-ups wie in einer Fabrik produziert. Währenddessen verlassen Spitzenmanager das Unternehmen, der Kurs der Aktie schwankt.

Dass Rocket für sein Geschäftsmodell häufig niedergemacht wird, ärgert Christian Miele. Der Investor hat früher bei dem Internetgiganten gearbeitet und die rasante Entwicklung der Jahre vor dem Börsengang miterlebt. Er bezeichnet Oliver Samwer, den CEO des Unternehmens, als den „Vater eines neuen digitalen Wirtschaftswunders“. So weit muss man nicht gehen, aber Studien bestätigen, wie groß der Einfluss der Samwer-Brüder und Rockets auf Berlins Gründerszene ist. So zum Beispiel das „Global Start-up Ecosystem Ranking 2015“, eine Studie des Analysenetzwerks Compass. Diese stellte fest, dass sich Berlin als Ökosystem für Gründer weltweit von Platz 15 auf Platz neun vorgearbeitet hat – innerhalb von nur drei Jahren. Von 2012 bis 2014 hätten sich die Werte der sogenannten Exits, also die Veräußerungen von Start-ups, verzwanzigfacht. Dafür seien vor allem die Börsengänge von Rocket und Zalando verantwortlich. Letzteres wurde ebenfalls mit Investorenkapital der Samwer-Brüder gegründet.

"Er hat Aufbruchstimmung geschürt"

„Die Samwers haben angefangen, an Internetmodellen zu arbeiten, als das noch keiner in einer so systematischen und verbindlichen Weise gemacht hat“, sagt Christian Miele. Im vergangenen Jahrzehnt seien viele von der Geschwindigkeit der drei Brüder mitgerissen worden. Wer früh bei einem der Unternehmen dabei gewesen sei, Miele nennt etwa eDarling oder Zalando, habe Geld gemacht. Der springende Punkt: „Das Geld fließt zurück ins Ökosystem. Als im Silicon Valley Apple und HP durch die Decke gingen und die ersten Leute durch ihre Aktienpakete Millionen machten, haben sie das Geld reinvestiert.“ Rocket habe einen ähnlichen Effekt auf die Berliner Start-up-Szene. Auch andere Internetunternehmer, die früh zu Geld gekommen sind, investieren es neu – so zum Beispiel StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani oder Xing-Gründer Lars Hinrichs.

Das Berliner Start-up Amorelie, Silvertree in Südafrika und Kredittech in Hamburg: Viele Unternehmer, die zuvor bei Rocket arbeiteten, haben nun eigene Firmen. „Man schafft sich dort ein Netzwerk und eignet sich tiefes Wissen darüber an, wie man Unternehmen aufbaut“, sagt Miele. Auch so breite sich Gründergeist über die Stadt und ihre Grenzen hinweg aus. Und warum nun Samwer als Vater eines „digitalen Wirtschaftswunders“? „Er hat eine Aufbruchstimmung geschürt und gezeigt, welches Potenzial im Internet liegt.“

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