Justin Yifu Lin : Erstmals ein Chinese Chefökonom der Weltbank

Erstmals kommt der Chefökonom der Weltbank aus einem Entwicklungsland. Der Chinese Lin selbst sieht darin eine "historische Entscheidung".

Till Fähnders

Shanghai - Es ist eine Premiere. Mit dem Chinesen Justin Yifu Lin kommt der Chefökonom der Weltbank erstmals aus einem Entwicklungsland. Lin berät seit 1993 die Weltbank und ist als Gründer und Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts der Peking Universität (CCER) bekannt geworden. Seinen Posten verdankt der 55-Jährige, der auf Taiwan geboren ist, aber auch der steigenden Bedeutung, die China in den strategischen Überlegungen der Weltbank einnimmt. Lin gilt als einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Berater der Regierung in Peking. „Dass wir nun Justin Lin haben, wird unsere Möglichkeiten stärken, mit China zusammenzuarbeiten“, sagte Weltbankpräsident Robert Zoellick.

Lin bezeichnete seine Ernennung selbst als „historische Entscheidung“. China verfüge über nützliche Erfahrungen bei der Bekämpfung von Armut. Außerdem sei das Land gegenwärtig der wichtigste Handlungspartner für die Afrikahilfe. Dort hat die Entwicklungspolitik der Weltbank nach Ansicht von Kritikern bislang versagt. Schon länger war deshalb gefordert worden, mehr Experten aus armen Ländern auf Spitzenpositionen zu befördern.

Lin kommt aus einem Land, das in der Weltbank einst ein Instrument der Imperialisten sah. Inzwischen hat auch China den Kapitalismus eingeführt, auch wenn der Staat in vielen Bereichen noch die Fäden in der Hand hält. Lins Wahl könnte eine Abkehr von der Weltbank-Doktrin bedeuten, die stets Marktkräfte bevorzugte und dem Eingreifen des Staats skeptisch gegenüber stand. Till Fähnders

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