Wirtschaft : Justiz-Star soll Bestechung verhindern Bahn engagiert Staatsanwalt Schaupensteiner

Carsten Brönstrup

Berlin - Der profilierte Korruptionsexperte Wolfgang Schaupensteiner kämpft in Zukunft bei der Deutschen Bahn gegen Bestechung und Untreue. Dort solle er illegale Praktiken verhindern und aufklären und so den Konzern vor Strafzahlungen und Imageschäden bewahren, wie die Bahn am Dienstag mitteilte. Schaupensteiner (58) ist direkt Vorstandschef Hartmut Mehdorn unterstellt. Auch durch eine bessere Zusammenarbeit der einzelnen Konzernteile sollen kriminelle Taten verhindert werden.

Man habe den Frankfurter Juristen engagiert, „damit wir als zunehmend international agierender Konzern bei der Korruptionsbekämpfung weiter so erfolgreich sein können“, erklärte Mehdorn. Schaupensteiner ist seit 1993 einer der wenigen Oberstaatsanwälte in der Bundesrepublik, die sich allein mit dem Thema Bestechung auseinandersetzen. Er deckte in der Vergangenheit zahlreiche Fälle bei der Stadt Frankfurt am Main, der Messe und der Flughafengesellschaft auf, ebenso die Bestechungsaffäre um den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig.

Die Bahn geht nach einer Reihe von spektakulären Betrugsfällen seit einigen Jahren erfolgreich gegen Kriminalität in den eigenen Reihen vor. So gibt es Ombudsleute, an die sich Beschäftigte mit einem Kriminalitätsverdacht wenden können. Das Unternehmen, das als größter Investor des Landes jedes Jahr Milliarden vor allem im Baubereich ausgibt, gilt als anfällig für Korruption. Schaupensteiner kennt das Problem bei dem Konzern aus allein 15 Ermittlungskomplexen mit zusammen mehr als 200 Beschuldigten.

In seiner Zeit als Frankfurter Staatsanwalt hatte Schaupensteiner oft über Personalmangel in der Behörde geklagt. Er musste nach eigener Aussage zahlreiche Verfahren einstellen, weil es ihm an Ermittlern mangelte. Von der Behördenleitung war er sogar angehalten worden, weniger mit den Medien zu reden, um mehr Zeit für seine Arbeit zu haben. Zudem war Schaupensteiner frustriert über das mangelnde Vorgehen des deutschen Staates gegen Korruption und die zu laxe Gesetzgebung. „95 Prozent der Fälle deckt die Justiz gar nicht auf“, bemängelte er einmal in einem Tagesspiegel-Interview. Dabei sei das Ausmaß der Korruption hier zu Lande so hoch wie nie zuvor. Der Schaden belaufe sich auf mehrere hundert Milliarden Euro. Carsten Brönstrup

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