Wirtschaft : Kabel Deutschland will Telekom herausfordern Kabelfirma kommt dem Kartellamt entgegen

Corinna Visser

Berlin - Mit Milliardeninvestitionen in das Fernsehkabel und einer Kampfansage gegen die Deutsche Telekom will Kabel Deutschland ein Verbot des Bundeskartellamts gegen die geplante Übernahme von drei kleineren Kabelgesellschaften abwenden. „Wir haben die Bedenken des Kartellamts eins zu eins umgesetzt“, sagte Kabel-Deutschland-Chef Roland Steindorf am Mittwoch in München. Die Vorschläge will das Unternehmen an diesem Freitag beim Kartellamt einreichen.

Kabel Deutschland (KDG) ist bisher schon der größte Kabelnetzbetreiber in Deutschland und versorgt rund zehn Millionen Haushalte in 13 Bundesländern mit Fernsehanschlüssen. Im April kündigte KDG an, auch noch die Kabelgesellschaften Ish (Nordrhein-Westfalen), Iesy (Hessen) und Kabel Baden-Württemberg für zusammen 2,7 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Nach dem Zusammenschluss würde das gesamte Kabelnetz mit 17 Millionen angeschlossenen Haushalten, das früher der Deutschen Telekom gehörte, wieder unter dem Dach eines einzigen Unternehmens zusammengefasst.

Das Bundeskartellamt befürchtet jedoch, dass der Zusammenschluss die bereits bestehende marktbeherrschende Stellung von KDG gegenüber den Anbietern von Fernsehprogrammen noch verstärken wird. Daher hatten die Wettbewerbshüter KDG abgemahnt. Die Zugeständnisse, die das Unternehmen am Mittwoch ankündigte, will die Behörde nun prüfen und bis zum 7. Oktober endgültig eine Entscheidung über den Fusionsantrag fällen.

Kabel Deutschland hat unter anderem angeboten, das Fernsehkabel „massiv und schnell“ aufzurüsten, um den Wettbewerb im Internet-Markt anzukurbeln. KDG will demnach rund 21 Millionen Haushalte mit einem Internetzugang über das Breitbandkabel ausrüsten. „Wir planen eine Markteinführung, die größer und schneller ist, als alles, was bisher in diesem Sektor geschehen ist“, sagte Steindorf. KDG sei bereit, in den kommenden zehn Jahren insgesamt 1,8 Milliarden Euro zu investieren, davon mehr als die Hälfte in den Ausbau des Netzes für das Internet. „Wir werden mit dem dominierenden Marktführer Deutsche Telekom in einen echten Wettbewerb treten und gleichzeitig die technische Infrastruktur in Deutschland deutlich aufwerten“, sagte KDG-Chef Steindorf.

Zugeständnisse will KDG auch den Anbietern von Fernsehprogrammen machen. So ist das Unternehmen bereit, die Einspeiseentgelte für analoge TV-Programme in den kommenden zehn Jahren nicht zu erhöhen. Auch will die KDG mindestens bis zum Jahr 2007 darauf verzichten, bisher frei empfangbare digitale Fernsehprogramme zu verschlüsseln. Kartellamtschef Ulf Böge hatte bereits angedeutet, dass der Verzicht des Unternehmens auf die geplante Verschlüsselung von kostenlosen Fernsehprogrammen und eine offene Plattform bei den zum Empfang von Digitalfernsehen notwendigen Decodern einen Teil der Probleme lösen könne. Auch will die KDG nun bis zum Jahr 2009 darauf verzichten, eigene Rechte an Fernsehinhalten zu erwerben. „Mit all diesen Zugeständnissen kommen wir den Forderungen der Rundfunkanbieter entgegen“, sagte Steindorf.

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