Wirtschaft : Kabel-TV-Gebühren bleiben hoch

Telekom muß Preiserhöhung nicht zurücknehmen / Aber Auflagen des Regulierers BONN (dpa/AFP).Die Deutsche Telekom muß die im November vergangenen Jahres vorgenommenen Preiserhöhungen für ihre mehr als 17 Mill.Fernsehkabelanschlüsse vorerst nicht zurücknehmen.Dies entschied die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation.Er sehe zumindest bis Ende dieses Jahres keine Veranlassung, gegen die Preisanhebung um rund 15 Prozent einzuschreiten, sagte der Chef des Amtes, Klaus-Dieter Scheurle.Die Telekom habe jedoch einen erkennbaren Nachholbedarf bei der Leistungsfähigkeit ihres Breitbandkabel-Netzes."Im Interesse der Kunden" forderte die Regulierungsbehörde das Unternehmen auf, seine Effizienz in diesem Bereich zu steigern.Während die Telekom selbst ihre derzeitigen Kosten im Kabel um 3,5 Prozent vermindern will, gab der Regulierer ihr ein Einsparziel von sieben Prozent auf, das bis zum Jahresende erbracht werden soll.Nach den Worten eines Sprechers behält sich das Amt andernfalls vor, doch noch gegen die Preiserhöhung vom November einzuschreiten.Die jetzige Entscheidung basiere auf Kostennachweisen des Unternehmens, die die Behörde "nicht ungeschmälert" habe übernehmen können.Nach Ansicht des Regulierers würde das Kabelnetz bei effektiverer Nutzung für neue Kunden attraktiv.Die Telekom fühlt sich durch die Regulierer-Entscheidung nach Angaben eines Unternehmenssprechers "inhaltlich voll bestätigt".Es gebe keinen Preismißbrauch.Telekom-Chef Ron Sommer hatte erst am Dienstag auf einer Pressekonferenz selbst eingeräumt, daß tatsächlich rund 22 Mill.Haushalte technisch mit einem Kabelanschluß ausgestattet seien, aber nur 17,3 Mill.auch davon Gebrauch machten und dafür ein entsprechendes Entgelt zahlten.Diese Lücke müsse dringend geschlossen werden.Allein 1997 wies die Telekom im Kabelbereich einen Verlust von 1,1 Mrd.DM aus.Seit der jüngsten Preisanhebung muß ein Haushalt in der Regel 25,90 statt bisher 22,50 DM pro Monat für den Empfang von Fernseh- und Hörfunkprogrammen per Telekom-Kabel bezahlen.Für Wohneinheiten, die vor dem 1.Juli 1991 an das Netz angeschlossen wurden, erhöhte sich das monatliche Entgelt von 15,90 auf 19,50 DM.Zuvor hatte die Telekom ihre Kabelpreise fünf Jahre lang konstant gehalten.Die Gebührenerhöhung hatte die Telekom unter anderem mit dem Hinweis auf die bevorstehende Ausweitung digitaler TV-Programme begründet.Die Digital-TV-Allianz mit Kirch und Bertelsmann liegt derzeit jedoch auf Eis (siehe dazu nebenstehenden Artikel).Erst in den vergangenen Tagen war ein heftiger Streit zwischen Behörde und Telekom entbrannt.Das ehemalige Monopolunternehmen fühlt sich unfair behandelt, weil das Nachfolgeamt des Ende 1997 aufgelösten Postministeriums mehrfach nicht seinen Preisvorschlägen folgen wollte.Dies gilt vor allem für Entgelte, die neue private Telefongesellschaften für die Durchleitung von Gespräche ihrer Kunden durch das Telekom-Netz oder die Miete Telekom-eigener Telefonanschlüsse bezahlen müssen.Mit dem jüngsten Beschluß entschied der Regulierer aber zumindest teilweise im Sinne der Telekom, die sich ihre Tarife grundsätzlich genehmigen lassen muß.Innerhalb der Regulierungsbehörde führte die Gebührenentscheidung offenbar zu Verstimmungen.Berichten zufolge bestanden in der Behörde Pläne, die Erhöhung bereits jetzt um zwei Drittel zurückzufahren.Scheurle wies diese Berichte zurück.

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