Kabelanbieter aus Berlin : Tele Columbus nimmt Kurs auf die Börse

Neuer Anlauf: Der Berliner Kabelanbieter Tele Columbus will im ersten Halbjahr 2015 an die Börse und hofft auf ein stabiles Aktienklima.

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Das Publikum ist gefragt: Kabelanbieter wie Tele Columbus gelten als attraktive Investments.
Das Publikum ist gefragt: Kabelanbieter wie Tele Columbus gelten als attraktive Investments.Foto: dpa

Von den Börsenplänen des Berliner Kabelanbieters Tele Columbus war seit Mitte Oktober nichts mehr zu hören gewesen. Nun nimmt der hinter Kabel Deutschland und Unitymedia drittgrößte Anbieter neuen Anlauf: „Tele Columbus beabsichtigt, seine Aktien im ersten Halbjahr 2015 im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse notieren zu lassen“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Und fügte eine kleine Einschränkung hinzu – „sofern das Marktumfeld dies zulässt“.
Die deutlichen Kursverluste Ende 2014 hatten die Berliner, die nach eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Haushalte mit TV-Signalen versorgen, vorsichtig werden lassen. Ursprünglich war schon für das vergangene Jahr ein Börsengang angekündigt worden. Die Vorbereitungen wurden aber kurz vor der Fertigstellung des Emissionsprospektes gestoppt. In Berlin hatte Tele Columbus zuletzt einen Marktanteil von 40 Prozent.

Kabelnetzbetreiber sind "Gelddruckmaschinen"

Bei der Transaktion im neuen Jahr sollen sowohl neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung für rund 300 Millionen Euro als auch Aktien bisheriger Gesellschafter platziert werden. Die Eigentümer von Tele Columbus sind Banken und Hedgefonds, die im Zuge der Sanierung 2009 Kredite in Eigenkapital getauscht hatten. Ein Verkauf an Kabel Deutschland war 2013 am Widerstand des Kartellamts gescheitert.

Zahl und Wert der Börsengänge in Europa seit 2007.
Zahl und Wert der Börsengänge in Europa seit 2007.Grafik: Tsp

Kabelnetzbetreiber werden in der Branche wegen ihrer hohen Margen auch als „Gelddruckmaschinen“ bezeichnet. Dies schlägt sich in den Preisen für die Firmen nieder: Vor mehr als einem Jahr zahlte Vodafone für den in 13 Bundesländern aktiven Branchenprimus Kabel Deutschland knapp elf Milliarden Euro.

Berater erwarten hierzulande gut ein Dutzend Börsengänge

Mit seinen Börsenplänen will Tele Columbus von der allgemein guten Stimmung für IPOs (Initial Public Offering = Börsengang) profitieren. So erwarten die Experten der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) für das neue Jahr rund ein Dutzend Börsengänge deutscher Unternehmen. Auch die Berater von Pricewaterhouse-Coopers (PWC) sind wegen der nach wie vor historisch niedrigen Zinsen optimistisch. Im vergangenen Jahr hatte es einen regelrechten Run von Neueinsteigern auf Europas Börsen gegeben. Nach einer kürzlich veröffentlichten PWC-Studie wagten von Januar bis November europaweit 344 Unternehmen den Schritt aufs Parkett. Der Gesamtwert der Börsengänge betrug 48,8 Milliarden Euro (siehe Grafik) – ein Plus von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland sorgten vor allem die Berliner Neuemissionen von Zalando und Rocket Internet für gute Stimmung. Nach einem schwachen Start hatten die Papiere bis Jahresende je gut 20 Prozent zugelegt.

Auch im Ausland wagen sich deutsche Firmen aufs Parkett

Am Ende blieb es im vergangenen Jahr aber nur bei sieben Börsengängen deutscher Firmen in Frankfurt und elf Emissionen von ausländischen Unternehmen, die zusammen 3,4 Milliarden Euro einbrachten. Nach EY-Daten war das gleichwohl das beste Jahr für Aktien-Neuemissionen seit 2007, als das IPO-Volumen 7,9 Milliarden Euro erreicht hatte. Dazu kamen fünf Börsengänge von deutschen Technologie- und Biotech-Unternehmen im Ausland: vier in den USA und eines an der Amsterdamer Euronext. Rocket Internet, mit 1,4 Milliarden Euro der größte deutsche Börsengang in diesem Jahr, war europaweit der fünftgrößte.


2015 könnten neben dem geplanten Börsengang von Tele Columbus auch Abspaltungen (Spin-offs) von Teilen großer Unternehmen eine größere Rolle spielen. Erst für 2016 hat Bayer die Abspaltung seiner Sparte Material Science angekündigt, die an die Börse gebracht werden soll. Die Online-Anzeigenbörse Scout24, die ihre Pläne ebenfalls im vergangenen Jahr öffentlich gemacht, aber nicht verwirklicht hatte, dürfte sich mit einem zweiten Anlauf dagegen noch Zeit lassen. mit rtr

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