Wirtschaft : Kabelbetreiber wollen neue Jobs schaffen

Chef von Kabel Baden-Württemberg: „Es gibt nicht genügend Know-how“/ Medienanstalten sehen Fusion kritisch

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Berlin (vis). Die neuen Besitzverhältnisse im deutschen Fernsehkabelgeschäft werden nach Einschätzung vom Geschäftsführer der Kabel BadenWürttemberg, Georg Hofer, der Branche neue Arbeitsplätze bringen. „Wir müssen neue Leute einstellen“, sagte Hofer im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Es gibt in Deutschland im Kabelgeschäft nicht genug Know-how. Wir brauchen daher alle Fachleute, die verfügbar sind.“ Auch nach der Zusammenführung der regionalen Kabelgesellschaften unter dem Dach der Kabel Deutschland „wird es keine Möglichkeit geben, jemanden zu entlassen“.

Am Wochenende hatte die Kabel Deutschland GmbH angekündigt, die Konkurrenten Ish (Nordrhein-Westfalen), Iesy (Hessen) und Kabel Baden-Württemberg für zusammen 2,7 Milliarden Euro zu übernehmen. Künftig wird Kabel Deutschland 17 Millionen Haushalte mit Kabelanschlüssen versorgen – wenn das Kartellamt die Übernahme genehmigt. Damit wären wieder alle regionalen Kabelgesellschaften, die ehemals der Telekom gehörten, unter einem Dach vereint. Kritiker vor allem aus den Reihen der Landesmedienanstalten befürchten jedoch, dass die neue Eigentümerstruktur zu einer Einschränkung der Medienvielfalt führen könnte.

Das Gegenteil sei der Fall, argumentiert Hofer. „Als Netzbetreiber in Baden-Württemberg leiden wir darunter, dass wir die Inhalte, die wir gerne hätten, gar nicht bekommen. Die großen Anbieter – die Sender oder auch die Studios in Hollywood – reden doch gar nicht mit uns, wenn wir nur 2,2 Millionen Kunden angeschlossen haben.“ Nur gemeinsam würden die Kabelnetzbetreiber so viel „Marketing-Power auf die Straße bringen, um der Telekom erfolgreich Konkurrenz machen zu können“. Denn die Kabelgesellschaften wollen neben neuen digitalen Fernsehangeboten auch schnelle Internetanschlüsse vermarkten, die leistungsfähiger als DSL-Anschlüsse sind. Allein Kabel-Baden- Württemberg habe bereits 7500 Kunden ans Internet angeschlossen. „Zu unserer eigenen Überraschung nutzen auch bereits 5000 dieser Kunden die Möglichkeit, über das Internet zu telefonieren.“ 500 Millionen Euro, so hat es Kabel Deutschland angekündigt, sollen in den kommenden drei Jahren in das Netz investiert werden.

Tele Columbus, nach eigenen Angaben mit 2,6 Millionen Kunden größter Netzbetreiber nach Kabel Deutschland, sieht der Konzentration auf dem Markt noch relativ gelassen entgegen. Bisher liefert Kabel Deutschland Tele Columbus die Signale. „Wir sehen keine Probleme auf uns zukommen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. „Wir sind froh, dass es auf dem Kabelmarkt Bewegung gibt nach der jahrelangen Stagnation.“ Zwar sei Kabel Deutschland als Signallieferant künftig in der Lage, Druck auszuüben, „aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Wir haben Alternativen. Im Notfall bauen wir selber. Das haben wir bereits getan.“

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