Wirtschaft : Kabelnetz: "Man muss die Spitzhacke in die Hand nehmen"

Herr Doetz[Ihr Verband hat sich vehement gegen de]

Jürgen Doetz ist Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) und im Vorstand der Pro Sieben Sat 1 Media.

Herr Doetz, Ihr Verband hat sich vehement gegen den Verkauf des Telekom-Kabelnetzes an Liberty Media gewehrt. Was hat das Unternehmen gegen die deutschen Fernsehveranstalter Verwerfliches im Schilde geführt?

Liberty Media ist an dem Versuch gescheitert, eine existierende Rundfunklandschaft nach eigenen Vorstellungen umkrempeln zu wollen. Liberty hat immer klar gesagt, dass sie den Kunden beziehungsweise den Zuschauer für sich beanspruchen - und dies zum Beispiel auch durch die Verwendung eines eigenen Decoders durchsetzen wollen. Dies war und ist für alle TV-Sender inakzeptabel - zum reinen Inhaltelieferanten wollen sich weder die Privaten noch die Öffentlich-Rechtlichen degradieren lassen.

Wie muss das Kabel aus Ihrer Sicht genutzt werden - als reines Fernsehkabel?

Nur TV ist mit Sicherheit zu wenig - auch aus Sicht des Kartellamtes. Andere Netzbetreiber machen es gerade vor, dass mit entsprechenden Investitionen Konkurrenzangebote für schnellen Internetanschluss und Telefone geschaffen werden können. Dass dies Zeit - und nicht zuletzt auch viel Geld - bedeutet, ist klar. Deshalb haben wir uns auch immer dafür ausgesprochen, dass die Netzbetreiber, die nicht nur große Worte in den Mund, sondern auch die Spitzhacke in die Hand nehmen und ihre Netze aufrüsten, von stark liberalisierten Rahmenbedingungen profitieren sollen.

Gehen die wirtschaftlichen Interessen der Kabelbetreiber und die der Fernsehsender überhaupt zusammen?

Selbstverständlich. Sowohl für Kabelnetzbetreiber wie auch für die Sender bietet das neue digitale Kabel eine Vielzahl von Kooperationsmöglichkeiten. Es ist aber ebenso selbstverständlich, dass wir uns noch in Verhandlungen mit den Netzbetreibern befinden, denn diese Geschäftsmodelle lassen sich nicht über Nacht aus dem Hut zaubern.

Wie müsste der ideale Käufer des Kabelnetzes aussehen?

Zunächst einmal müsste der ideale Käufer ein Gespür für den Markt mitbringen, auf dem er tätig werden will. Liberty war hier offenkundig ziemlich unbeleckt; es reicht eben nicht, zu Hause in Denver die Übernahme der deutschen Fernsehlandschaft zu planen und davon auszugehen, dass ein geschickter Berater es dann schon richten wird. Ideal wäre es, wenn ein neuer Investor sich zunächst mit uns und anderen Betroffenen an einen Tisch setzt und versucht, gemeinsam neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ich habe mich immer dafür engagiert, dass die Kabelnetze verkauft werden, aber von Anfang an auch darauf hingewiesen, dass die künftige Endkundenbeziehung auf der Basis einer Kooperation zwischen Programmanbietern und Netzbetreibern erfolgen muss. Und wieder konkret zu Liberty: Wir wollten keine Kooperation auf der Basis einer Kapitulation, und der nächste Investor sollte daraus seine Konsequenzen ziehen.

Wie akut ist der Verdacht, dass sich alle Beteiligten auf Kosten des Kunden einigen?

Für die Fernsehanbieter möchte ich diesen Verdacht ausschließen. Sicher kann man die Entgeltstruktur neu gestalten. Aber man darf nie vergessen, dass es 36 000 Kilometer über uns eine Konkurrenz zum Kabel gibt, die größere Belastungen des Zuschauers eigentlich verbietet: den Satelliten-Direktempfang. Und künftig wird möglicherweise auch das Digital-Fernsehen via Antenne eine Konkurrenz zum Kabel darstellen können.

Ein Nein zu Liberty bedeutet nicht das Ende des Kabelverkaufs. Was kommt jetzt?

Ich glaube nicht, dass sich Liberty schon ganz vom deutschen Markt verabschiedet hat. Die Aktivitäten in Großbritannien in Richtung des Kabelnetzbetreibers NTL könnten als Hintertür in die hessischen Kabelnetze angesehen werden - ähnlich wie etwa die Verflechtung mit Primacom. Aber auch auf diesem Wege wird Liberty die gleichen "Gretchenfragen" gestellt bekommen: Wie haltet ihr es mit dem Netzausbau und wie sichert ihr den diskriminierungsfreien Zugang zu den Netzen?

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