Wirtschaft : Kabinett kippt Privileg für Lebensversicherungen

Erträge sollen laut Gesetzentwurf ab 2005 steuerpflichtig werden

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Düsseldorf (rl/fw/uhl/HB). Den deutschen Lebensversicherern stehen dramatische Veränderungen bevor. Heute berät das Bundeskabinett über die Neuordnung der Altersvorsorge. In der Gesetzesvorlage, die dem Handelsblatt vorliegt, sind einschneidende Änderungen vorgesehen. So sind künftig Erträge aus Kapital bildenden Lebensversicherungen und aus Rentenversicherungen, bei denen das Kapital ausgezahlt wird, steuerpflichtig. Dasselbe gilt für die entsprechenden Produkte, bei denen die Spargelder in Fonds angelegt werden. Bisher waren bei den gängigen Produkte der Branche die Erträge steuerfrei, auch wenn das Kapital auf einen Schlag ausbezahlt wurde.

Auch die Möglichkeit, Beiträge als Sonderausgaben abzuziehen, die in der Praxis vor allem für Selbstständige interessant, wird neu gefasst: Sie gilt künftig nur noch für Versicherungsverträge, die nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sind.

Die nach den neuen Vorschriften eng auf reine Rentenzahlungen eingegrenzten Verträge sind nach Einschätzung der Lebensversicherer schwer zu verkaufen. Die neue Regelung würde erst 2005 greifen. Die Branche erwartet daher einen Boom für 2004. Ab 2005 käme es aber zu einem Umbruch, weil viele Versicherungsvertriebe zu einem großen Teil von den bisher geförderten Produkten leben. „Die Hälfte der Gesamteinnahmen der Agenturen kommt aus der Altersvorsorge“, sagte Ulrich Brock, Vizepräsident des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute. Ferdinand Graf Wolff Metternich von der Unternehmensberatung Mercer Oliver Wyman setzt diese Quote – je nach Produktschwerpunkt – zwischen 20 und 60 Prozent an.

Offiziell hängt die Branche das Problem tief. Die Allianz hofft noch „auf die Kraft der Argumente“, wie ein Sprecher sagte – also darauf, dass es doch nicht kommt. Die Hamburg-Mannheimer verweigerte jeden Kommentar. Inoffiziell geben Vertriebsleute aber zu, dass sie riesige Probleme sehen. Denn wenn die klassischen Lebensprodukte nicht mehr laufen, verdienen die Vertreter zu wenig Geld. Das dürfte auch einige selbstständige Finanzvertriebe, in den letzten Jahren stark gewachsen sind, ins Mark treffen.

Harte Zeiten für Vertreter

Ob die staatlich verordneten Rentenprodukte einen Ersatz darstellen, ist fraglich. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft verweist dabei auf die schwache Akzeptanz der Riesterrente, auf die 2003 nur eine halbe Million von insgesamt acht Millionen Neuverträgen entfallen. Die Branche versucht jetzt zu retten, was zu retten ist. „Wir fordern, dass eindeutige Altersvorsorge steuerlich gefördert wird, wie zum Beispiel die Entschuldung einer Immobilie durch eine Lebensversicherung. Das ist auch Altersvorsorge“, sagt Günter Schlatter, Vorsitzender der Provinzial Versicherungen in Düsseldorf. Der Bereich der Finanzierungen über die Lebensversicherung gilt als besonders bedroht, wenn die Steuerprivilegien fallen.

Außerdem verweist Schlatter darauf, dass künftig Lebensversicherungen gegenüber Aktienfonds, bei denen Kursgewinne nicht besteuert werden, im Nachteil wären. Viele in der Branche hoffen, dass wenigstens ein Teil des Geldes direkt im Alter von 65 Jahren ausgezahlt werden darf und nicht alles verrentet werden muss. Eine entscheidende Rolle spielen auch die Provisionen: Nur Produkte, bei denen der Vertrieb gut verdient, werden aktiv verkauft. Politisch gewünscht sind aber mäßige Provisionen, die sich auf mehrere Jahre verteilen – wie bei der Riesterrtente.

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