Wirtschaft : Käpt’n Iglo wird Engländer

Konsumgüterkonzern Unilever verkauft die Tiefkühlsparte für 1,7 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Permira

Maren Peters

Berlin - Käpt’n Iglo segelt künftig unter britischer Flagge. Der britisch-niederländische Unilever-Konzern wird seine Fischstäbchen-Marke zusammen mit weiten Teilen des Tiefkühlgeschäfts an den britischen Finanzinvestor Permira verkaufen. Zu dem Paket, das sich Permira 1,7 Milliarden Euro kosten lässt (das 1,4-Fache des Umsatzes), gehören neben Iglo auch die Marke Bird Eye in Deutschland und sieben anderen europäischen Ländern, wie Unilever am Montag mitteilte. Nur das Italien-Geschäft will Unilever behalten. Auch Speiseeis („Magnum“) bleibt im Konzern. Der Verkauf soll Ende des Jahres abgeschlossen sein, die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Unilever hatte bereits im Februar angekündigt, dass der Großteil des Tiefkühlgeschäfts verkauft werden soll. Die Sparte erfüllte nicht die Wachstumserwartungen des Konzerns, nur in Italien läuft es dem Vernehmen nach besser. Unilever erzielte mit Tiefkühlkost im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 167 Millionen Euro.

Nach Ansicht von Analysten macht der Verkauf strategisch Sinn. Der Schweizer Konkurrent Nestlé habe sich bereits vor sieben Jahren zum Verkauf der Tiefkühlkost-Sparte entschieden. Bis auf die Bereiche Eiscreme und Fertiggerichte seien die Wachstumsraten in Europa sehr gering, hieß es. In Deutschland, wo jeder Verbraucher im vergangenen Jahr durchschnittlich 27 Kilo Tiefkühlkost verzehrte, gibt es nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung zwar noch Potenzial; bei Tiefkühlkost dominieren aber Handelsmarken der Discounter den Wettbewerb.

Den Kaufpreis von 1,7 Milliarden Euro, den Permira bezahlt hat, bezeichnete Hans-Peter Kuhlmann, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, als „ordentlich“. Iglo sei eine sehr starke Marke und biete damit eine Chance für einen Finanzinvestor. „Permira wird sehr wahrscheinlich versuchen, die Kosten zu senken, ein Arbeitsplatzabbau ist nicht ausgeschlossen.“

Betroffen von dem Verkauf sind etwa 3500 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als 1500 Mitarbeiter bei Iglo in Deutschland. „Die Belegschaft ist nicht gerade in Jubel ausgebrochen“, sagte Hermann Soggeberg, Betriebsratschef im münsterländischen Reken, der Nachrichtenagentur dpa. In 15 Jahren sei die Zahl der Stellen dort um zwei Drittel reduziert worden.

Vorerst hat Permira den Beschäftigten für drei Jahre eine Lohn- und Gehaltssummenzusage gegeben. Die Briten sind mit einem Beteiligungsvolumen von derzeit elf Milliarden Euro der größte Finanzinvestor in Deutschland. Sie hatten unter anderem den Mobilfunkdienstleister Debitel und den Brillenhersteller Rodenstock gekauft.

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