Käufer gesucht : Neue Hoffnung für Karstadt

Für die insolvente Kaufhauskette Karstadt ergeben sich neue Perspektiven. Nachdem Ende der vergangenen Woche der Investor Nicolas Berggruen ein Angebot abgegeben hatte, konkretisierte sich am Montag auch das Interesse des Immobilienkonsortiums Highstreet.

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Berlin - Für die insolvente Kaufhauskette Karstadt gibt es wieder Hoffnung. Nachdem Ende der vergangenen Woche der Investor Nicolas Berggruen ein Angebot abgegeben hatte, konkretisierte sich am Montag auch das Interesse des Immobilienkonsortiums Highstreet. Noch bis Freitag können beim Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Angebote eingereicht werden.

Karstadt war 2009 gemeinsam mit dem Mutterkonzern Arcandor in Insolvenz gegangen. Görg sucht seit Monaten einen Käufer für die 120 Kaufhäuser mit 25 000 Beschäftigten. In Berlin betreibt Karstadt elf Kaufhäuser, darunter das KaDeWe.

Bislang hatte nur der schwedisch-deutsche Investor Triton ein Übernahmeangebot gemacht, das aber von Belegschaft und Gewerkschaft abgelehnt wird. Triton will rund 4000 Arbeitsplätze streichen und fordert weitere Zugeständnisse der Beschäftigten.

Ganz anders äußerte sich der zweite Interessent Berggruen. Der Sohn des Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen bezeichnete Karstadt als „Teil der deutschen Kultur“. Die Mitarbeiter könnten stolz sein, für Karstadt zu arbeiten, und sofern er den Zuschlag bekomme, „können wir etwas Neues aufbauen“, sagte Berggruen dem „Handelsblatt“. „Wir sparen die Häuser nicht kaputt, sondern wir fokussieren sie und haben das Ziel, dass die Unternehmen wieder wachsen.“ Dazu sei man mit einem US–Modehaus im Gespräch, das beim Betrieb der Häuser helfen könne. Karstadt brauche „einen jungen Auftritt und einen jugendlichen Stil“. Als verantwortlich für die Misere nannte Berggruen das Arcandor-Management, das „Karstadt verdammt schlecht organisiert hatte“ und viel zu hohe Mieten in Kauf genommen habe. „Damit kann kein Warenhaus überleben.“

Damit spricht der Investor einen sich abzeichnenden Konflikt mit Highstreet an: Dem Immobilienkonsortium, dem unter anderem Goldman Sachs und die Deutsche Bank angehören, gehören die meisten Karstadt-Häuser. Um diese Immobilien auch künftig verwerten zu können, erwägt Highstreet die Übernahme von Karstadt. Berichten zufolge sehen die Highstreet-Banken keine Entlassungen vor, wollen aber die Arbeitszeit von 37,5 auf 39,5 Sunden verlängern.

Sofern Highstreet den Zuschlag erhält und einige Häuser weiterverkauft, könnte auch noch die Metro ins Spiel kommen. Metro-Chef Eckhard Cordes will einige Karstadt-Häuser übernehmen und mit den zu Metro gehörenden Kaufhof-Warenhäusern verschmelzen. Goldman-Sachs- Deutschlandchef Alexander Dibelius unterhält gute Kontakte zu Cordes, seitdem beide 1998 an der Fusion von Daimler und Chrysler beteiligt waren. mit dcl

Seiten 2 und 17

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