• Käufer riskieren den Verlust ihres Vermögens - Wettscheine lohnen sich zur Absicherung großer Aktiendepots

Wirtschaft : Käufer riskieren den Verlust ihres Vermögens - Wettscheine lohnen sich zur Absicherung großer Aktiendepots

Birga Böcker

Infineon, T-Online oder Epcos. Viele Anleger setzen auf Neuemissionen, um hohe Gewinne einzustreichen. Noch gewinnträchtiger aber auch riskanter als der Aktienkauf ist der Handel mit Optionsscheinen, modernen Börsen-Wettscheinen. Der Käufer setzt darauf, dass ein Basisobjekt, etwa eine Aktie, in einem bestimmten Zeitraum fällt oder steigt. Wer richtig tippt, kann seinen Einsatz vervielfachen. Pechvögel verlieren dagegen alles. Denn nach Ende der Laufzeit sind Optionsscheine nur noch soviel wert wie Altpapier.

Doch trotz der Risiken steigt die Nachfrage nach den von Banken und Wertpapierhäusern ausgegebenen Optionsscheinen gewaltig. Während die Umsätze mit Aktien an deutschen Börsen in den vergangenen zwölf Monaten um 140 Prozent anzogen, legte der Handel mit Optionsscheinen um 226 Prozent auf rund 12,22 Milliarden Euro zu.

Der Vorteil am Optionsschein ist, dass er höhere Gewinne - und Verluste - einbringen kann, als das Basisobjekt, auf das er ausgestellt ist. Das Basisobjekt kann eine Aktie, eine Währung, Anleihe oder ein Index, wie etwa der Dax, sein. Der Optionsschein ist jedoch viel billiger. So können Anleger mit wenig Einsatz hoch pokern. Händler nennen das den "Hebel".

Nur für wenige aber lohnt sich die Investition in die Papiere. "Kleine Privatanleger sollten die Finger von Optionsscheinen lassen", rät Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Denn bei diesem Glücksspiel kann man sogar das Mehrfache seines Einsatzes verlieren." Noch riskanter als Kaufoptionsscheine (Calls) seien Verkaufsoptionsscheine (Puts).

Ein Aktien-Call berechtigt zum Bezug eines Wertpapiers zu einem vorher festgelegten Preis. Wer beispielsweise für 13 Euro das Recht kauft, eine T-Online-Aktie binnen eines Jahres für 30 Euro zu kaufen, gewinnt nur, wenn der Kurs in diesem Zeitraum auf mehr als 43 Euro steigt. Nur dann bliebe beim Kauf und sofortigen Verkauf der Aktie mehr übrig, als der Optionsschein gekostet hat. Bleibt der Kurs jedoch dauerhaft unter 43 Euro, verzichtet der Scheininhaber auf den Handel. Die Option verfällt. Der Einsatz ist verloren.

Bei Put-Optionsscheinen hingegen verpflichtet sich der Käufer für einen bestimmten Zeitraum, Aktien zu einem festen Preis zu verkaufen. Würde der T-Online-Kurs von 30 auf 300 Euro steigen, dann hätte der Schein-Inhaber ein riesiges Minus zu verkraften. Wenn er die Aktie selbst zum Preis von 300 Euro kaufen muss, um sie wie vereinbart zum Basispreis von 30 Euro zu verkaufen, wären das 270 Euro Verlust - und das pro Optionsschein.

"Es gibt Leute, die haben bei so einem Handel sechsstellige Summen verloren", berichtet Jürgen Kurz. Nur selten hätten Käufer die Chance, ihr Geld wiederzubekommen. Schließlich ließen sich die Banken von ihren Kunden inzwischen schriftlich ihre Geschäftsfähigkeit bestätigen.

"Optionsscheine sind nur etwas für Leute, die es sich im Zweifel auch leisten können, einmal alles zu verlieren", räumt Jörg Schwarz, Chef des Düsseldorfer Wertpapierhauses Lang & Schwarz, ein. Große Verluste seien jedoch vermeidbar. "Schließlich setzt man insgesamt weniger Kapital ein als beim Aktienkauf." Trotzdem rät Schwarz Anlegern dazu, höchstens fünf Prozent ihres Kapitals in Optionsscheine zu investieren.

Maximal zehn Prozent des Portfolios würde Oliver Wunde, Optionsschein-Spezialist der Commerzbank, in die riskanten Papiere stecken. "Optionsscheine lohnen sich erst ab 3000 bis 5000 Mark Ordervolumen", meint Wunde. Sonst schlügen die Provisionen überproportional hoch zu Buche. Völlig falsch sei es jedoch, sich bei der Investition nur nach dem Preis des Optionsscheins zu richten. Ein relativ zur Aktie sehr billiger Optionsschein sage noch nichts über den Wert der Anlage aus. "Wer nur auf den Preis schaut, sieht sein Geld oft nie wieder", warnt der Banker.

Den wirklichen Wert eines Optionsscheins erkennt man an der Laufzeit und dem Preis, für den der Basiswert später gekauft oder verkauft werden kann. Eine lange Laufzeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Basiskurs zum eigenen Vorteil verändert; je volatiler der Markt ist, also je größer die Kursschwankungen sind, desto größer die Chance auf Gewinne.

Auch für Optionsscheine gilt die einjährige Spekulationsfrist. Wer die Scheine vorher verkauft, muss Steuern zahlen. Für eine langfristige Anlage eignen sich die Papiere allerdings dennoch nicht. Denn wegen des Zeitlimits können Anleger Verluste nicht einfach aussitzen, sondern müssen schnell auf veränderte Kurse reagieren.

Außer für extrem risikobereite Anleger lohnen sich Optionsscheine nur für Anleger mit großem Aktiendepot. Wer große Summen in nur einen Wert steckt, kann gleichzeitig mit Optionsscheinen auf einen sinkenden Kurswert setzen. Steigt die Aktie, behält er den Kursgewinn abzüglich der Kosten für die Optionsscheine. Sinkt der Kurs, kann der Anleger seine Aktien zum vorher festgelegten Kurs abstoßen.

"Kursverluste kann man aber auch anders begrenzen", sagt Wertpapierschützer Kurz. "Kleine Anleger können zum Beispiel einen Niedrigstkurs festlegen. Dann verkauft ihre Bank die Aktien, sobald sie unter die Marke fallen."

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