Wirtschaft : Kaffee: Die Vertreibung aus dem Garten Eden

Claudia Keller

"Garten Eden", "Paradies" und "Mein Arkadien" heißen brasilianische Kaffeeplantagen. Himmlisch sind die Zeiten für die Kaffeebauer aber schon lange nicht mehr. Seit vier Jahren sind sie sogar richtig schlecht. Denn die Preise für die Kaffeebohnen sind seit 1998 drastisch gefallen. Vor fünf Jahren kostete ein Pfund auf dem Weltmarkt noch 186 US-Cent. Heute sind es nur noch 66 - so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der Kaffee im Supermarkt ist bei uns trotzdem so teuer wie eh und je. Denn von dem Preisverfall profitieren nur die Zwischenhändler.

Schuld an dem Preisverfall ist eine gewaltige Überproduktion durch weltweit überdurchschnittlich gute Ernten. Schuld ist aber auch Vietnam. Das fernöstliche Land hat mit EU- und Weltbankkrediten vor zehn Jahren mit dem Kaffeeanbau begonnen. In den letzten vier Jahren steigerte Vietnam seine Produktion sprunghaft und steht heute nach Brasilien an zweiter Stelle der insgesamt 75 Kaffee produzierenden Länder.

Der im Herbst 2000 in Angriff genommene Plan des Verbandes der Kaffeeproduzenten, 20 Prozent der Exporte zurückzuhalten und den Preis dadurch zu stabilisieren, scheiterte Ende vergangenen Jahres. Nur wenige der 14 Mitglieder hatten halbherzig einen Teil ihrer Ernte eingelagert. Vietnam, das dem Verband nicht angehört, hatte den Markt in der Zwischenzeit mit einer Rekordernte überschwemmt. Mittlerweile hat sich der Verband aufgelöst.

Die Leidtragenden sind überall die kleinen Kaffeepflanzer, in Brasilien genauso wie in Mexiko, Kongo oder Uganda. Ihre Äcker messen oft nicht mehr als zwei Hektar, sie müssen die Bohnen mit der Hand pflücken, sind nicht genossenschaftlich organisiert und besitzen keine Fahrzeuge, um ihre Bohnen selbst zu einem Hafen zu transportieren. So sind sie darauf angewiesen, dass ein kleiner Unterhändler die Bohnen bei ihnen abholt und sie bei einem größeren Zwischenhändler abliefert, der sie einem weiteren Händler verkauft. An den Kaffeebauer gehen deshalb nur 30 Prozent des Weltmarktpreises, bei 66 US-Cents für ein Pfund also lediglich 20 Cents. Er braucht aber 60 Cents, um ein Pfund zu produzieren.

Um überhaupt noch zu Geld zu kommen, sind die Bauern gezwungen, immer mehr zu produzieren. "Ein Teufelskreis, unter dem die Qualität des Kaffees leidet", sagt Claudia Brück vom Verein TransFair. Um aus dem Teufelskreis auszusteigen und die Verelendung ganzer Landstriche aufzuhalten, versucht TransFair, die großen Kaffeeröster in Europa und Amerika zu überreden, direkt mit den Produzenten zusammenzuarbeiten. Die Bauern ermutigt der Verein, sich zu Genossenschaften zusammenzuschließen.Wenn ein Röster längerfristige Handelsbeziehungen mit einem Kaffeeanbauer garantiert und ihm einen festgelegten Mindestpreis zahlt, der über dem Weltmarktpreis liegt, kann er seinen Kaffee mit dem TransFair-Siegel auszeichnen. Im Moment zahlen die fairen Händler 126 US-Cent pro Pfund.

Mittlerweile schließt der "faire Handel" 250 Bauernkooperativen in 30 Ländern ein, eine halbe Million Bauern profitieren davon. In Deutschland bieten 22 000 Supermärkte (Edeka, Rewe, Tengelmann) und Weltläden die TransFair-Kaffees an, auch als Espressi und Schonkaffees.

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