Wirtschaft : Kaffee wird billiger

Doch beim Verbraucher kommt das nicht an.

Hamburg - Der Preis für Kaffee ist im weltweiten Handel auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Im Juni kostete ein Pfund der Topqualität Arabica nur noch 1,52 Dollar, halb so viel wie im Mai 2011. „Die Ernte im Haupterzeugerland Brasilien war sehr gut“, sagte Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI. Ärgerlich für die deutschen Kaffeetrinker: Weil der Euro gegenüber dem Dollar kräftig an Wert verloren hat, kommt die Preissenkung lange nicht in dem gleichen Ausmaß in den Supermärkten an. Zuletzt hatte die Branche im April die niedrigeren Rohstoffpreise an die Kunden weitergegeben. Seitdem ging der Arabica-Preis an der Londoner Rohstoffbörse aber noch einmal um zehn Prozent zurück. Trotzdem steht nach Angaben aus Hamburger Händlerkreisen keine weitere Preissenkung für Verbraucher bevor. Kaffeekonzerne wie auch der Kaffeeverband lehnten Aussagen zur Preisentwicklung im Herbst ab.

Mit 6,8 Kilogramm pro Kopf und Jahr gehören die Deutschen nach einer Tchibo-Studie zu den größten Kaffeeverbrauchern weltweit – noch vor vermeintlichen Kaffeeländern wie Italien (5,7 Kilogramm) oder Frankreich (5,6 Kilogramm). Mehr als 70 Prozent des in Deutschland verbrauchten Kaffees ist der teure Arabica, der Rest die billigere, aber stärker koffeinhaltige Sorte Robusta. Arabica ist deutlich empfindlicher: Der Baum braucht Hochlandklima, milde Temperaturen und ist anfällig für Krankheiten. Robusta wächst auch im Flachland, bei Hitze und ist widerstandsfähiger. Außerdem bringt Robusta zwei bis vier Tonnen Ertrag pro Hektar, Arabica nur 0,5 bis drei Tonnen. Als Folge ist Arabica 50 Prozent teurer. Trotzdem ist Arabica nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die beliebteste Sorte. Robusta schmeckt rauer, manche Kaffeetrinker sagen auch muffiger. In Deutschland werben die Anbieter mit dem Aufdruck „100 Prozent Arabica“, wenn sie ihre Topsorten vermarkten wollen. Die meisten Kaffees in deutschen Supermärkten sind Mischungen. dapd

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