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Kaiser's Tengelmann und Edeka : Ministererlaubnis oder Zerschlagung

Kaiser's Tengelmann und Edeka machen noch einmal Druck im Kampf um die Ministererlaubnis. Dabei gibt es Alternativen.

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Kaiser's Tengelmann und Edeka können nur noch per Ministererlaubnis zusammenfinden.
Kaiser's Tengelmann und Edeka können nur noch per Ministererlaubnis zusammenfinden.Foto: dpa

Kaiser’s setzt alles auf eine Karte. Kunden der Supermarktkette bekommen seit kurzem die neue gelbe „Extra-Karte“, mit der sie individuelle Rabatte sammeln können. Was für das tägliche Geschäft gilt, passt auch auf die Strategie des Unternehmenschefs. Im Kampf für die Zukunft der 451 Tengelmann- und Kaiser’s Filialen setzt auch Tengelmann-Konzernchef Karl-Erivan Haub alles auf eine Karte: Edeka.
Fusion oder Zerschlagung, das ist das Szenario, das Haub in diesen Tagen heraufbeschwört. Falls Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht per Ministererlaubnis die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch den Branchenführer Edeka erlaube, sei das das Aus für die traditionsreiche Kette. Bis Ende 2016 werde von Kaiser’s Tengelmann nichts mehr da sein, sagen Insider. Arbeitsplätze gingen verloren, einige Märkte würden verkauft, andere geschlossen, heißt es in Unternehmenskreisen. Bei einer Übernahme durch Edeka könne dagegen der Großteil der Stellen erhalten bleiben.

Das Bundeskartellamt sagt nein

Das Bundeskartellamt hatte Anfang April die Übernahme der Märkte, in denen noch rund 16.000 Menschen beschäftigt sind, durch Edeka untersagt. Die Wettbewerbshüter befürchten, dass die Marktmacht der größten deutschen Supermarktkette noch weiter steige, wenn sich Edeka den kleineren Konkurrenten einverleibt. Eine Sorge, die von der Monopolkommission geteilt wird. In einem Gutachten hatten die Wettbewerbsexperten Anfang August deshalb ebenfalls von einem Zusammenschluss abgeraten.
Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Inhaber Haub – geschätztes Familienvermögen 3,7 Milliarden Euro – versuchen dennoch, Gabriel von dem Deal zu überzeugen. Eine Einzelabwicklung der Filialen werde mindestens 8000 Jobs kosten, argumentieren sie. Für die Regionen Nordrhein und Berlin hat Tengelmann mit den Betriebsräten bereits eine Vereinbarung geschlossen, in der ein Großteil der Jobs garantiert wird. Edeka hat diese Vereinbarung in den Kaufvertrag hineingenommen.

Gabriel will bald entscheiden

Nun drängt die Zeit. Im Bundeswirtschaftsministerium will man schon bald eine öffentliche Anhörung veranstalten und danach entscheiden. Noch fehlen aber die Stellungnahmen der Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Hier ist Kaiser’s Tengelmann heute noch vertreten – aus vier Gebieten hat sich die Kette, die einst 1500 Märkte hatte, dagegen bereits zurückgezogen. Die Einkaufsmacht sei zu klein, die Preise zu hoch, um mithalten zu können, heißt es in Mülheim. In den vergangenen 15 Jahren sollen Verluste von 500 Millionen Euro aufgelaufen sein, davon allein im vergangenen Jahr 35 Millionen. Viele Filialen seien in den roten Zahlen, auch in Berlin. 58 der 144 Märkte in der Hauptstadtregion seien defizitär, heißt es in dem Antrag auf Ministererlaubnis.
Die öffentliche Debatte um das Aus der Kette scheint den Druck noch einmal empfindlich erhöht zu haben. Die ersten sieben Monate sollen angeblich bereits ein Rekordminus von 40 Millionen Euro gebracht haben, viele Mitarbeiter kehrten dem Unternehmen den Rücken, heißt es. Alternativen zu Edeka gebe es mangels bindender Offerten anderer nicht.
Doch zumindest der letzte Punkt scheint so nicht zu stimmen. „Die Darstellung von Herrn Haub ist nachweislich unwahr“, sagte Rewe Group-Vorstandsmitglied Lionel Souque am Dienstag. „Ich persönlich habe Herrn Haub bereits im Februar 2014 im direkten Gespräch das Interesse der Rewe an einer vollständigen Übernahme des Unternehmens Kaiser’sTengelmann mitgeteilt.“ Inzwischen ist die Nummer zwei auch zu Teillösungen bereit – etwa in NRW, das wegen der kleinen Märkte als besonders schwieriges Pflaster gilt. Rewe bietet an, sämtliche Läden dort zu übernehmen, und ist überzeugt, auch diese Filialen profitabel führen zu können. Zudem gibt es weitere Interessenten. An den Berliner Häusern ist die Kieler Coop interessiert, an den bayerischen die Schweizer Migros mit ihrer deutschen Tochter Tegut. Auch Kaufland ist im Rennen, Hit wird ebenfalls Interesse nachgesagt. mit dpa

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