Wirtschaft : Kakao

Spekulanten und Teuro: Warum die Schokolade teurer wird

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DER PREIS DER WOCHE

Von Maurice Shahd

Der Mann scheint Lust auf Süßes zu haben. Rohstoffhändler Antohony Ward kaufte kürzlich 148000 Tonnen Rohkakao an der Londoner Terminbörse Liffe. Das sind rund fünf Prozent der Weltkakaoernte. Lust haben Ward und seine Handelsfirma Armajaro vor allem auf eins: Profit. Seit zwei Jahren deckt er sich mit großen Mengen Rohkakao ein, um das Angebot zu verknappen und den Preis des begehrten Rohstoffs in die Höhe zu treiben. Mit Erfolg: Derzeit liegt der Preis für eine Tonne Rohkakao bei rund 2200 Euro, vor einem Jahr waren es noch 1300 Euro. Bei seinem historischen Tief im Dezember 1999 gab es Kakao für nur 880 Euro je Tonne.

Der geschäftstüchtige Händler hat die steigenden Preise allerdings nicht allein zu verantworten. Er profitiert davon, dass Kakao immer knapper wurde: Während die Nachfrage der Süßwarenhersteller stieg, waren die Ernten in den vergangenen Jahren nur mäßig. Grund dafür waren schlechtes Wetter und Krankheitsbefall der Kakaopflanzen in einigen Anbaugebieten. „Spätestens im Herbst oder Winter schlagen die Preise auf die Endprodukte durch“, sagt Andreas Christiansen, Vorsitzender des Rohkakao-Handelsvereins in Hamburg, voraus. „Echte“ Schokolade muss in Deutschland aber nur einen Kakaoanteil von 35 Prozent haben. Die Rohkakaopreise bestimmen daher nicht allein den Schokoladenpreis. Christiansen schätzt, dass Tafelschokolade um sieben bis acht Prozent teurer werden könnte.

Der Deutsche Süßwarenverband hat längst steigende Preise für Tafelschokolade ausgemacht. Vor einem Jahr lag die Schallmauer für eine 100-Gramm-Tafel bei 99 Pfennig. Nach der Einführung des Euro habe sich der Preis bei 55 bis 60 Cent, also knapp 1,20 DM eingependelt. Vielleicht war der Teuro doch schon im Spiel. Foto: Mike Wolff

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