Kalifornien : "Grün ist nicht gleich grün"

Solaranlagen stoßen in Kalifornien auf Kritik, weil sie die Lebensräume von seltenen Tieren bedrohen.

Rita Neubauer
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Viel Sonne, viel Platz. Umweltaktivisten wehren sich trotzdem, dass in der Mojave-Wüste Solaranlagen aufgestellt werden – seltene...R3507_APA_Publication

San Francisco - Mike Peterson hat einen Traum: Er will den weltgrößten Solarpark in Kalifornien errichten. 1,2 Millionen Solarzellen sollen 420 Megawatt Strom produzieren und 315 000 Haushalte versorgen. Umgerechnet 1,25 Milliarden Euro will Petersons Firma, Solargen Energy aus Cupertino, investieren.

Peterson weiß auch wo: im Panoche Valley, rund 100 Kilometer südwestlich des Silicon Valley in einer kaum besiedelten Gegend mit hohen Temperaturen. „Wenn nicht hier, wo dann?“ fragt der Ex-Investmentbanker, der sich Landrechte über 7200 Hektar gesichert hat.

Doch es gibt Probleme: Die Audubon- Gesellschaft, eine der einflussreichsten Umweltschutzorganisationen Amerikas, äußert Bedenken gegen das Projekt, das die Fläche von mehr als 3500 Fußballfeldern veranschlagt. Die Sonnenfarm könne den Lebensraum heimischer Tierarten – Füchse, Eidechsen und mehr als 130 Vogelarten – zerstören, mahnt sie.

„Grün ist nicht gleich grün“, sagt Audubon-Aktivistin Shani Kleinhaus. „Wir fürchten, dass das Projekt einfach zu groß ist für die Region. Es gibt woanders eine Menge Flächen für Solarzellen, auf Parkhäusern, entlang von Autobahnen oder auf Schuttabladeplätzen. In ein paar Jahren mit neuer Technologie braucht man vielleicht gar keine so große Fläche mehr für Solarkraftwerke.“ Unterstützung finden die Umweltschützer bei Einwohnern. „Jetzt sieht es nach nicht viel aus, doch in einem Monat, wenn die Blumen blühen, ist es hier wunderschön“, schwört Kim Williams, die eine Farm mit 650 freilaufenden Hühnern betreibt.

Solargen Energy ist nicht die einzige Firma, die dem Ruf der US-Regierung folgt, in saubere Energie investieren will – und dabei auf Widerstand stößt. Bei zwei großen Solarparks nahe dem kalifornischen San Luis Obispo ist es ähnlich. Selbst in der kargen, fast menschenleeren Mojave-Wüste, die sich über 35 000 Quadratkilometer in vier Bundesstaaten – Kalifornien, Arizona, Nevada und Utah – erstreckt, haben grüne Energieunternehmen keinen Freibrief.

Zwar gibt es verschiedene Solaranlagen bereits. Doch die demokratische Senatorin Dianne Feinstein will neuen Betreibern die Arbeit erschweren. Sie hat einen Gesetzentwurf eingebracht, das Teile der Wüste in ein nationales Monument verwandelt und so vor Bebauung schützt. Feinstein fürchtet, dass die Anlagen die noch weitgehend ursprünglichen Lebensräume von Dickhornschafen, Wüstenschildkröten und anderen bedrohten Tierarten zwischen dem Nationalpark Joshua Tree und dem Mojave-Naturschutzgebiet zerstören würden. „Das ist nicht akzeptabel“, sagt sie.

Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der sich als Vorreiter grüner Technologie einen Namen gemacht hat, ist anderer Meinung. „Wenn wir Solarzellen nicht einmal in der Mojave-Wüste aufstellen dürfen, wo zum Teufel dann“, schimpfte er jüngst. Auch Solargen-Chef Peterson ist enttäuscht über den Widerstand gegen sein Projekt. „Geredet wird viel, dass man erneuerbare Energie liebe und so fort, aber wenn es ernst wird, dann heißt es: nicht in meinem Hinterhof.“ Rita Neubauer

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