Kalt erwischt : Pünktlich zum Winter: Steigende Heizkosten

Energie wird nicht mehr billiger werden, sagen die Experten. Auch in Berlin wird ab 2012 voraussichtlich an der Preisschraube gedreht. Nun suchen Mieter und Hausbesitzer nach Auswegen.

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Kostenfalle. Die Verbraucher müssen sich aufs Sparen beim Heizen einstellen, aber so kalt wie im Iglu muss es ja nicht gleich werden.
Kostenfalle. Die Verbraucher müssen sich aufs Sparen beim Heizen einstellen, aber so kalt wie im Iglu muss es ja nicht gleich...Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Viele der 40 Millionen Privathaushalte hierzulande haben dieser Tage gerade erst angekündigte Strompreiserhöhungen schlucken müssen. In Berlin zum Beispiel hebt der Grundversorger Vattenfall seine Tarife ab Januar um sieben Prozent an, was die Jahresrechnung für einen Durchschnittshaushalt um etwa 50 Euro erhöhen wird. Nun zeichnet sich ein finanziell noch schwerwiegenderes Energieproblem ab: Bei den Heizkosten.

Besonders dramatisch ist der Anstieg beim Heizöl. Rund 25 Prozent mehr als vor einem Jahr kostet die Tankfüllung derzeit – das entspricht einem Aufschlag von 213 Euro im Jahr für das Beheizen einer 70-Quadratmeter-Wohnung, rechnete der Mieterbund jetzt vor. Die Gaspreise sind im Schnitt um acht Prozent zum Vorjahr gestiegen, die für Fernwärme um sieben. Das entspricht bei 70 Quadratmetern Mehrkosten von 64 beziehungsweise 62 Euro im Jahr.

Vor zwei Jahren konnten Ölnutzer noch günstiger heizen als andere. Sie profitierten damals von niedrigen Rohölpreisen im Jahr nach der Finanzkrise. Derzeit sind sie aber die großen Verlierer. In Berlin betrifft das besonders Eigenheimbesitzer im Westen der Stadt. Offenbar haben viele davon es zum Auftakt der Saison noch vermieden, ihren Tank aufzufüllen: Heizölhändler registrierten im September bundesweit eine um 23 Prozent niedrigere Nachfrage als im Vorjahresmonat.

Viele Kunden spekulierten auf fallende Preise – was sich kaum auszahlte: Sie stiegen wochenlang fast stetig weiter, der Trend deutet bundesweit nicht auf eine Erholung hin – auch weil das im Winter unüblich wäre.

In Berlin, wo zwei Drittel der Haushalte mit Gas oder Fernwärme beheizt werden, kommt der große Sprung wohl erst noch: Gas-Marktführer Gasag hatte zuletzt im Oktober 2010 die Preise angehoben und zumindest für das laufende Jahr eine Preisgarantie abgegeben. Da der Grundversorger Tarifanpassungen spätestens sechs Wochen vorher ankündigen muss, könnte die Gasag frühstens zum Februar 2012 Lieferungen verteuern. Auch der Versorger Vattenfall, der neben dem Strom- auch das Fernwärmenetz der Hauptstadt betreibt und so rund ein Drittel der Haushalte versorgt, blieb in diesem Jahr passiv. Er dürfte zum April an der Preisschraube drehen.

Nun stehen private Heizkunden vor der Frage, was sie gegen die Entwicklung tun können. In den kommenden Jahren – sagen die meisten Experten – wird Energie nicht mehr billiger werden. Mieter und Privatleute, die ihre Immobilie selbst nutzen, können durch sparsames Verhalten die Kosten relativ schnell senken, ohne frieren zu müssen. Auf Vermieter steigt derweil der Druck, ihre Objekte energetisch zu sanieren. Hier aber stockt es derzeit: Jährlich wird rund ein Prozent des Wohnungsbestandes erneuert.

Die Bundesregierung hat zwar das Ziel formuliert, dass diese Quote auf zwei Prozent im Jahr steigen soll. Sie wirbt mit dem Argument, dass die Heizkostenrechnung danach um bis zu 40 Prozent niedriger ausfällt. Allerdings konnte sie ein Gesetz, mit dem Hauseigentümer Sanierungen großzügig steuerlich absetzen können, bisher nicht durch den Bundesrat bringen. Länder fürchten die Steuerausfälle. Das Gesetz liegt derzeit im Vermittlungsausschuss, und ein Kompromiss ist nicht in Sicht.

Sanierungen würden Energiekunden helfen – und dem Klima: Fast 29 Prozent der in Deutschland weiter überwiegend fossil produzierten Energie muss für das Beheizen von Privathaushalten erzeugt werden. Würde man die Sanierungsquote im Sinne der Bundesregierung erhöhen, könnte der Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2030 um 44 Prozent sinken. Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie von Shell und dem Hamburger Institut HWWI hervor. Das Ziel sei sinnvoll, sagen die Autoren. Doch das Erreichen werde bis zu 750 Milliarden Euro kosten. Das hieße, jeder Haushalt müsste statistisch 18 750 Euro zahlen – um seine Heizrechnung nachhaltig zu drücken.

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