Wirtschaft : Kaminabende für das große Geld

Daniel Rhee-Piening

Lange war Hartmut Knüppel Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken und Pressechef der Dresdner Bank in Frankfurt. Seit einem Jahr leitet er die Berliner Repräsentanz der Bank am Pariser Platz. „Ich helfe mit, die Kommunikation zwischen Politik und Banken zu verbessern und wirtschaftlichen Sachverstand in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen“, beschreibt er seine Arbeit. „Ich kümmere mich aber nicht nur um reine Bankenthemen und aktuelle politische Fragen, sondern auch um Kultur und Sport, den die Dresdner Bank in vielfältiger Weise fördert.“ Knüppel und seine beiden Mitarbeiter bemühen sich, den Eindruck der Strippenzieherei zu vermeiden. Sie organisieren Kamingespräche, parlamentarische Abende oder Podiumsdiskussionen. Nur bei der Frage nach seinem Etat möchte Knüppel ungern konkret werden: „Der ist sehr viel kleiner, als die meisten annehmen.“

Bei der Commerzbank erleichtert Hansgeorg Hauser den Zugang zur Politik. Von 1995 bis 1998 war das CSU-Mitglied Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Die Deutsche Bank, mit einer repräsentativen Niederlassung Unter den Linden vertreten, macht Regierungskontakte dagegen zur Chefsache: Sie hat keinen ständigen Repräsentanten in Berlin; wichtige Gespräche führen Vorstandsmitglieder, die aus Frankfurt am Main anreisen.

Geht es um Gesetzesvorhaben oder Anhörungen, die die Finanzwirtschaft betreffen, arbeiten alle Institute eng mit dem Bundesverband deutscher Banken zusammen. Ein großer Teil der Lobbyarbeit setzt aber auch in Brüssel an: Für die Hypo-Vereinsbank führt dort Peter Rieger den Dialog mit der EU-Kommission und den Parlamentariern. „Immer mehr Entscheidungen werden von der EU getroffen“, sagt er. Drei Mitarbeiter hören sich in Brüssel um, analysieren die Vorhaben und beraten mit der Münchener Zentrale, „wie wir uns einbringen können“. Dazu gehören auch mal ein Abendessen oder ein Brunch, sagt Rieger. Wie viel kostet das im Jahr? „Wir haben die Miete für ein 140 Quadratmeter großes Büro und die Personalkosten für drei Leute, der Repräsentationsetat ist nicht besonders groß.“

Auch Bausparkassen kommen ohne Lobby nicht aus. Für die Schwäbisch Hall sitzt Roland Vogelmann im Haus der DG Bank. „Ich halte den Kontakt zu unseren Bundestagsabgeordneten“, sagt er. Das Unternehmen beschäftigt in der Stadt Schwäbisch Hall 3000 Menschen. „Wir sind der bedeutendste Arbeitgeber, das sollte die Politik berücksichtigen“, sagt Vogelmann.

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