Wirtschaft : Kampagnen und Gerüchte

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Der genaue Hergang von Demissionen in der Politik interessiert vor allem Politiker. Aus naheliegenden Gründen. Schließlich könnte man ja selbst mal betroffen sein. Erste PolitikerPflicht in diesen Tagen also: Genau beobachten, wie einer, der eben noch einen monatelangen Skandal bis hin zur peinlichen Befragung im Wirtschaftsausschuss überstanden hat, nun innerhalb von wenigen Tagen zu einer Person des erwarteten Rücktritts wird.

Dass der streitbare Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, auf einem Stuhl sitzt, an dem die Gewerkschafter sägen, gehört eher zu den Trivial-Gerüchten, die jetzt in Berlin die Runde machen. Schließlich hatte Gerster in der Vergangenheit ja auch keine Gelegenheit ausgelassen, die Arbeitnehmervertreter zu vergrätzen. „Kampagne“ meinte deshalb der FDP-Abgeordnete Dirk Niebel dieser Tage. Und erhielt allgemeines verständnisvolles Nicken für seine Vermutung, die Weiterbildungsorganisationen der Gewerkschaften hätten ihre Vertreter im Verwaltungsrat der BA überredet, allerlei üble Interna an die Medien zu verteilen, um Gerster dann auf dem Höhepunkt der öffentlichen Entrüstung das Vertrauen zu entziehen.

Doch manchmal ist es auch komplizierter. Etwa, wenn ein besonders großes Interesse einer großen Oppositionspartei im Bundestag bestünde, dem forschen Reform-Kanzler und seinem noch forscheren Reform-Arbeitsminister in die Suppe zu spucken. Ausgerechnet beim Reform-Thema Nummer eins, dem Arbeitsmarkt. Indem man belastendes Material sucht und verbreitet. Oder verbreiten lässt. Und dann seine alten Kontakte in den Verwaltungsrat nutzt, vielleicht ja nicht gerade bei den Gewerkschaftern. Und erfolgreich Überzeugungsarbeit dahingehend leistet, dass so ein angeschlagener BA-Chef ja der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung nicht gut tun kann. Ein Gerücht, wie gesagt. asi

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