Wirtschaft : Kampf gegen die Armut: Politik und Wirtschaft ziehen an einem Strang

Rolf Obertreis

Dieter Ernst, Vorstandsmitglied der Berliner Wasser-Gruppe ist mit dem Projekt zufrieden. Zumindest die Kapitalmarktkosten werden verdient und die Basis für weitere Projekte in anderen Entwicklungsländern ist gelegt. In der zweitgrößten Stadt Albaniens setzt das Unternehmen auf "Public Private Partnership", die Kooperation mit dem Berliner Entwicklungsministerium (BMZ). 45 Millionen Mark stecken Bund und das Unternehmen je zur Hälfte in die Wasser-, Ver- und Entsorgung der 150 000 Einwohner-Stadt. "Damit können wir die Wasserversorgung von sechs Stunden täglich auf den ganzen Tag ausweiten und der Wasserpreis ist im Vergleich zu einem rein privaten Unternehmen um ein Drittel niedriger", so Ernst. Ähnlich positive Erfahrungen macht Aloys Wobben von der Auricher Enercon mit seinen Windkraftanlagen in Brasilien und Indien. Sie leisten einen - entwicklungspolitisch gewünschten Beitrag zur Energieversorgung und zum Klimaschutz, bringen Jobs und Gewinn.

Zwei von vielen erfolgreichen Beispielen,Aber es sind noch zu wenige. Deswegen diskutieren rund 1200 Politiker, Banker und Unternehmer gestern und heute in Frankfurt auf einer Konferenz der Weltbank über weitere Kooperationsmöglichkeiten gerade mit Blick auf die Infrastrukturdefizite in den Entwicklungsländern. Seit gut zwei Jahren versucht das BMZ die Kooperation mit der Wirtschaft zu forcieren. Seit 1999 gab es etwa 600 Anfragen, daraus sind 300 Projekte in 41 Ländern mit einem Volumen von zwei Milliarden Mark geworden. Die Hälfte stellt der Bund als Anschubfinanzierung zur Verfügung, die andere Hälfte kommt aus der privaten Wirtschaft - für Ausbildungsprojekte, für Versorgung mit Trinkwasser, ökologischen Landbau oder Initiativen zur Verhinderung von Kinderarbeit. "Das sind klassische Win- Win-Situationen", sagt Wieczorek-Zeul. Das BMZ erzielt Fortschritte im Kampf gegen Armut, die Firmen setzen einen Fuß in zukunftsträchtige Märkte bei Risikobegrenzung und Kreditabsicherung.

Dass noch mehr passieren muss, ist klar. Auf 250 Milliarden Dollar schätzt Peter Woicke von der Weltbank allein den Betrag, der jedes Jahr notwendig wäre, damit die Entwicklungsländer den Anschluss finden. Bislang sind aber insgesamt nur etwa 130 Milliarden Dollar weltweit in solche Gemeinschaftsprojekte geflossen. Die weltweite öffentliche Entwicklungshilfe lag im vergangenen bei nur 56 Milliarden Dollar.

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