• Kampf gegen die Schattenwirtschaft: Volkswirt Friedrich Schneider:"Schwarzarbeit ist nicht unbedingt schädlich"

Wirtschaft : Kampf gegen die Schattenwirtschaft: Volkswirt Friedrich Schneider:"Schwarzarbeit ist nicht unbedingt schädlich"

Herr Schneider[die Schwarzarbeit hat in fast alle]

Friedrich Schneider ist Volkswirtschafts-Professor an der Universität Linz/Österreich und Experte für den Bereich Schattenwirtschaft.

Herr Schneider, die Schwarzarbeit hat in fast allen Industriestaaten in den vergangenen Jahren zugenommen. Warum?

Es gibt drei Erklärungsmuster. Erstens gibt es einen so genannten Schneeballeffekt - es wird immer bekannter, wieviel günstiger die Schwarzarbeit für alle Beteiligten ist. Zweitens ist fast überall die Belastung des Faktors Arbeit mit Steuern und Abgaben stetig angestiegen. Drittens gab es immer engere Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt.

Österreich, auch ein recht stark reguliertes Land, scheint aus dem Rahmen zu fallen - dort wird weniger schwarz gearbeitet.

Stimmt, Österreich ist ein Ausreißer. Das liegt entweder an den Messmethoden oder an den niedrigeren direkten Steuern, das ist noch unklar. Die Bürger sind jedenfalls nicht rechtschaffener als die Deutschen.

Welche Rolle spielen denn solche nationalen Besonderheiten?

Eine sehr große. Sie wissen, dass man in Südeuropa dem Staat wenig zutraut. In Italien, Spanien oder Griechenland hat man den regulären Job für die Sozialversicherung; Geld verdient man abends als Kellner.

Ist Schwarzarbeit denn wirklich schädlich für eine Volkswirtschaft?

Ob Schwarzarbeit Jobs kostet oder im Gegenteil sogar welche schafft, ist noch unklar - wahrscheinlich ist der Nettoeffekt sogar positiv. In Berlin zum Beispiel sind viele Bauarbeiter wegen der hohen Lohnnebenkosten und des großen Angebots an Schwarzarbeitern arbeitslos. Auf der anderen Seite wird das schwarz verdiente Geld zu zwei Dritteln sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben; belebt diese damit und schafft Jobs. Viele könnten sich ohne Schwarzarbeit ihren hohen Lebensstandard gar nicht leisten.

Politiker klagen stets über Schwarzarbeit. Das Übel bei der Wurzel packen mag aber offenbar niemand.

Nein, denn bis auf Arbeitsminister Walter Riester und Finanzminister Hans Eichel leidet niemand wirklich darunter. Und gegen die Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen, mag natürlich kein Politiker angehen.

Brächte denn eine konsequentere Bekämpfung der Schwarzarbeit kurzfristig Erfolg?

Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Den Menschen fehlt ein Unrechtsbewusstsein, zwei Drittel der Deutschen sehen Schwarzarbeit ja als Kavaliersdelikt. Die Einstellung der Politiker zu Steuern und Abgaben müsste sich grundsätzlich ändern: Der Staat müsste mit den Einnahmen sparsamer umgehen, sie als geborgtes Geld verstehen und die Bürger regelmäßig befragen, ob es sinnvoll ausgegeben wird. Das Steuerrecht müsste gerechter und transparenter werden, damit Schwarzarbeit nicht mehr die Steuerflucht des kleinen Mannes ist.

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