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Kampf gegen Konjunkturflaute : US-Wirtschaftshilfe lässt Dax auf Jahreshoch steigen

Die europäischen Börsen haben am Freitag mit einem Sprung nach oben auf die angekündigten Wirtschaftshilfen der US-Notenbank FED reagiert. Die FED will künftig monatlich 40 Milliarden Dollar für den Kauf von Staatsanleihen aufwenden.

US-Notenbank-Vhef Ben Bernanke.
US-Notenbank-Vhef Ben Bernanke.Foto: dapd

Die Börsen haben am Freitag mit einem deutlichen Sprung nach oben auf die am Donnerstagabend angekündigten Wirtschaftshilfen der US-Notenbank Fed reagiert. Der deutsche Leitindex Dax kletterte kurz nach Handelsstart um 1,6 Prozent auf 7428 Punkte. Der französische Index CAC-40 stieg in den Morgenstunden um zwischenzeitlich 1,9 Prozent.

In Mailand kletterte der Kurs des FTSE Mib am Morgen um 2,3 Prozent nach oben, der Kurs des spanischen Leitindex IBEX stieg um 2,4 Prozent. In London stieg der Kurs des FTSE-100 schnell um 1,31 Prozent.
Die Fed hatte am Donnerstagabend angekündigt, mit umfassenden Wertpapier-Käufen und einer verlängerten Niedrigzins-Politik das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Von Freitag an sollen dabei monatlich Immobilienpapiere für rund 40 Milliarden Dollar aufgekauft werden, um Zinsraten für Hauskäufer zu senken und den Immobilienmarkt zu stützen. Zudem kündigte die Zentralbank an, den Leitzins mindestens bis Mitte 2015 bei einem Maximalwert von 0,25 Prozent zu belassen.
Auch der Euro reagierte positiv auf die Ankündigung der US-Notenbank. Erstmals seit Mai kletterte die Gemeinschaftswährung über einen Wert von 1,30 Dollar: Am Freitagmorgen kostete ein Euro 1,3040 Dollar. (AFP)

Die US-Notenbank erklärte zudem, wahrscheinlich bis Mitte 2015 an ihrer faktischen Nullzinspolitik festzuhalten. Bislang hatte sie versichert, den Leitzins bis Ende 2014 zwischen null und 0,25 Prozent zu lassen. Ökonomen sprachen von einem neuem Kapitel im Kampf gegen Wirtschaftsflaute, die in der größten Volkswirtschaft der Welt nur langsam abklingt. Nicht nur wirft die Zentralbank mit dem Kauf von Hypothekenpapieren zum dritten Mal seit der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise die Notenpresse an, um die Märkte mit billigem Geld zu versorgen. Und: Sie nennt erstmals kein Enddatum für diese Aktion.

Es würden weitere Wertpapiere gekauft, zusätzlich Vermögenswerte erworben und weitere geldpolitische Maßnahmen ergriffen, „wenn der Ausblick auf dem Arbeitsmarkt sich nicht wesentlich verbessert“, hieß es in der ungewöhnlich aggressiven Mitteilung. Von zusätzlichen Käufen von Staatsanleihen nahm sie aber noch Abstand.

Experten hatten mit neuen Notenbank-Maßnahmen gerechnet. Die Finanzmärkte reagierten zunächst mit starken Kurssteigerungen. Vor allem überraschte die Fed mit der Aussage, ihre expansive Geldpolitik auch nach einer Verbesserung der Konjunkturlage fortsetzen zu wollen.

Auch am Donnerstag beschloss der Offenmarktausschuss der Bank neue Maßnahmen, obwohl er in seiner Mitteilung ein optimistischeres Bild von der Wirtschaftslage zeichnete als noch im Vormonat. Ziel der neuen geldpolitischen Lockerung ist es, die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und den Konsum der Verbraucher anzuregen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte die wirtschaftliche Entwicklung in den USA jüngst mehrfach als unbefriedigend bezeichnet. Die am vergangenen Freitag veröffentlichte Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent unterstrich seine „tiefe Besorgnis“ vor einer zu langsamen Erholung. Die Euro-Krise wie die Abschwächung der globalen Konjunktur nannte er ebenfalls immer wieder als Gefahren für die US-Wirtschaft.

Die Fed hatte wegen der großen Rezession in den USA zwischen Dezember 2007 und Juni 2009 bereits zwei Mal die Märkte mit billigem Geld geflutet. Ende 2008 begann sie mit dem Erwerb von langlaufenden Staatsanleihen, Schuldverschreibungen und Hypothekenpapieren von mehr als 1,7 Billionen Dollar (rund 1,3 Billionen Euro). Im November startete sie eine zweite Runde mit Anleiheläufen für rund 600 Milliarden Dollar. Zudem geht die Notenbank noch bis Jahresende mit der „Operation Twist“ gegen die schwache Konjunktur vor. Sie tauscht dabei kurzfristig fällige Anleihen gegen langlaufende Papiere, um auch langfristige Zinsen zu drücken.

Unter Ökonomen und vor allem konservativen Politikern ist umstritten, ob die dritte „Quantitative Lockerung“ (Quantitative Easing 3 oder QE3) und die „Operation Twist“ der US-Wirtschaft tatsächlich helfen. In einer Grundsatzrede Ende August hatte aber auch Bernanke auf die Risiken neuer Maßnahmen hingewiesen. So könne eine unendliche Serie von Eingriffen „das öffentliche Vertrauen in die Fed beeinträchtigen“, warnte er. Zudem könnte die Zentralbank Kritik auf sich ziehen, wenn sie nicht einmal zwei Monate vor der Präsidentenwahl der Konjunktur unter die Arme greift. Den Republikanern zufolge würde dies vor allem dem Amtsinhaber Barack Obama dienen. (dpa)

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