• Kampf gegen Terror: Frankreich wird zum Modell: Seit 1990 kämpft Tracfin gegen die Geldwäsche. Der Fiskus bleibt außen vor

Wirtschaft : Kampf gegen Terror: Frankreich wird zum Modell: Seit 1990 kämpft Tracfin gegen die Geldwäsche. Der Fiskus bleibt außen vor

Martina Ohm

Im Umgang mit ihrer Kundschaft sind französische Banken mitunter nicht zimperlich. Die Vorschriften sind streng. Staatliche Kontrolle gehört zum Alltag. Wann immer ein neues Konto oder ein Wertpapierdepots eröffnet wird, wann immer Schecks eingereicht werden, Frankreichs Banker sind auf der Hut. "Wir vergewissern uns in aller Regel bei der Banque de France, ob mit dem Klienten alles in Ordnung ist", sagt Alain Desplaces von der Caisse de Dépôts et Consignations. Eine halbe Stunde dauert es, berichtet der Mitarbeiter der französischen Bank, dann gebe die Notenbank aus Paris grünes Licht - oder auch nicht.

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Umfrage: Bodentruppen nach Afghanistan? Das Informations-Netzwerk der Banque de France funktioniert perfekt. Keiner, der hoffnungslos überschuldet ist oder mit ungedeckten Schecks hantiert, fällt durch das Raster. Die Datenbank, auf die die französische Notenbank zurückgreifen kann, stellt alle bloß. Nicht nur kleine Gauner. Denn die Anfragen laufen bei Tracfin zusammen - einer kleinen, aber feinen Spezialabteilung im französischen Schatzamt, die sich Bundesfinanzminister Eichel im Kampf gegen die organisierte Kriminalität zum Vorbild genommen hat. Um im Kampf gegen ausufernden Drogenhandel und Geldwäsche erfolgreicher zu werden, wurden in Frankreich Mitarbeiter von Banken, Versicherungen, Wechselstuben und Casinos vor elf Jahren - durch das Gesetz "la loi du 12 juillet 1990 - dazu angehalten, den geringsten Verdacht zu melden. Gleichzeitig wurde eine Art Task Force im Finanzministerium eingerichtet, bei der alle Fäden zusammenlaufen: die Tracfin (Traitement du Renseignement et Action contre les Circuits Financiers Clandestins), die - wie der Name sagt - Informationen über schmutziges Geld sammelt und in Aktion tritt. Tracfin beschäftigt mittlerweile 40 Personen; Zollbeamte, Juristen und Buchhalter. Ob Justizministerium oder Finanzämter - alle stellen Tracfin ihre Informationen zur Verfügung. Allerdings unter einer Bedingung: Die Daten dürfen nicht den Steuerfahndern zugespielt werden. Das Gesetz sieht das ausdrücklich vor.

Seit 1990 haben sich die Kompetenzen der Tracfin-Beamten erheblich erweitert. Verdächtige Kontobewegungen reichen mittlerweile aus, um Finanzströme zu kappen. Und: aus der einst freiwilligen Verpflichtung der Banken, verdächtige Transaktionen anzuzeigen, wurde eine verbindliche Meldepflicht. Die Beamten ermitteln diskret und erfolgreich. Allein im letzten Jahr erhielt Tracfin über 2700 Hinweise auf verdächtige Transaktionen. In 156 Fällen ist man fündig geworden. Fünf Milliarden Francs wurden sichergestellt.

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