Wirtschaft : Kampf um die Besten

Für die Bundeswehr ist es eine ganz neue Mission: Auf dem Weg zur Freiwilligen-Armee muss sie ein attraktiver Arbeitgeber werden. Was gehört dazu?

Daniel Rademacher
Vieles ist möglich. Was macht eigentlich ein Kampfschwimmer und wie wird man das? Die Antworten kann man auf dem Recruitingportal der Bundeswehr im Internet nachlesen. Foto: Pressezentrum Marine
Vieles ist möglich. Was macht eigentlich ein Kampfschwimmer und wie wird man das? Die Antworten kann man auf dem Recruitingportal...

Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht beginnt für die Bundeswehr eine neue Mission auf ungewohntem Terrain. Auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs für die Freiwilligen-Armee tritt die Truppe in direkten Wettstreit mit der Wirtschaft – und das in Zeiten von Führungs- und Fachkräftemangel. So dürfte der Kampf mit den Unternehmen um die „besten Köpfe“ wohl eine der größten Herausforderungen der nächsten Zeit werden. Sich als attraktiver Arbeitgeber zu vermarkten, das ist in vielen Unternehmen nämlich längst Konzernstrategie.

Mit der Wehrpflicht hatte die Bundeswehr auch immer ein wichtiges Mittel zur Personalgewinnung auf ihrer Seite, das nun wegfällt. Das stellt die Verantwortlichen im Verteidigungsministerium vor neue Herausforderungen.

Zwar ist man sich dort schon seit längerem im Klaren darüber, dass die Bundeswehr immer auch im Wettbewerb mit Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen steht. So gibt es beispielsweise „Beratungszentren Bundeswehr-Wirtschaft“, die sich die Zusammenarbeit mit Firmen auf die Fahnen geschrieben haben – von der Beratung der Unternehmen bis hin zur gemeinsamen Personalgewinnung, von der beide Seiten profitieren sollen.

Doch das Feld, auf das sich nun auch die Bundeswehr begibt, ist in der Sprache der Personaler häufig nichts anderes als ein „War for Talent“. Diesen martialischen Begriff prägte unter anderem die Unternehmensberatung McKinsey Ende der 1990er Jahre vor dem Hintergrund der Globalisierung, die es Unternehmen immer schwieriger macht, motivierte und talentierte Mitarbeiter an sich zu binden.

Schon längst kommt es nicht mehr nur darauf an, dass der Bewerber zum künftigen Arbeitgeber passt. „Nicht nur der Bewerber muss glänzen, sondern auch der Arbeitgeber“, sagt Armin Trost, der Professor für Human Resource Management an der Hochschule Furtwangen ist. Die Machtverhältnisse zwischen Bewerber und Arbeitgeber haben sich nach seiner Einschätzung inzwischen in sehr vielen Bereichen umgekehrt. Trost meint damit überwiegend Führungs- und Schlüsselpositionen. Der Wissenschaftler aus Furtwangen begründet diese Entwicklung mit dem Fachkräftemangel gerade in den technischen und den naturwissenschaftlichen Berufen.

Wie fühlt es sich beim Arbeitgeber an? Was kann man dort lernen? Wofür steht ein Arbeitgeber? Es sind solche Fragen, die eine Vielzahl von Bewerbern beantwortet haben wollen. Bei der Bundeswehr sind im Zuge der Neuausrichtung der Truppe im Personalmanagement umfangreiche Schritte geplant – unter anderem ein eigenes Personalamt. Unter anderem Weiterbildungschancen sollen die Attraktivität eines Jobs bei der Truppe erhöhen.

Bei kleinen und mittleren Unternehmen wähnt Experte Trost die Personalgewinnung, des so genannten Recruiting, vielfach „noch in der Steinzeit“. Allerdings gebe es auch viele gute Beispiele, die ihre unternehmerische Strategie ganz nach den neuen Bedürfnissen ausrichten. Als entscheidend gilt zum Beispiel Employer Branding – dabei geht es zuallererst darum, dass sich das Unternehmen als Arbeitgeber vermarktet und ein entsprechendes Image aufbaut.

Naturgemäß sind hier zumeist die Branchengrößen ganz vorn dabei.

Präzise und überlegt sollte die Beschreibung der Arbeitgebermarke sein: „Gerade im Social-Media-Zeitalter ist Offenheit angesagt“, betont Armin Trost. Bloße Worthülsen seien fehl am Platz. „Es muss schon etwas dahinterstecken. Es geht um die Suche nach der Seele des Unternehmens.“ So sind Firmen aus seiner Sicht gezwungen, sich möglichst genau über den künftigen Personalbedarf klar zu werden.

Gerade Mitarbeiter in Schlüsselpositionen findet man in aller Regel nicht per Stellenanzeige.

Die Bundeswehr hat längst angefangen, aktiv für sich zu werben – unter anderem mit einem Karriere-Portal im Internet. „Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, welche Laufbahn ist die richtige für mich? Wie wird man Kampfschwimmer? Wie sieht der Einstellungstest der Bundeswehr aus? Was sind meine Möglichkeiten mit einem abgeschlossenem Studium? Dann sind Sie in unserem Karriere-Forum genau richtig!“, heißt es zur Begrüßung.

Auf seiner Website liefert der Reservistenverband mit einem Slogan möglicherweise schon das zentrale Motto für die künftige Personalgewinnung: „Tu was für dein Land!“ dpa

Bundeswehr-Karriere-Portal: http://dpaq.de/Yi9FK

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