Wirtschaft : Kampf um die Betten auf den Kanaren Die Inseln profitieren vom Aufruhr in Ägypten

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Madrid – Die Hoteliers auf den Kanarischen Inseln und auch auf Mallorca reiben sich die Hände. Nachdem die Aufstände in den nordafrikanischen Ländern Ägypten und Tunesien dort die Touristen vertrieben haben, können sich die spanischen Urlaubshochburgen vor Buchungen kaum noch retten. Die Kanarischen Inseln, wegen ihres meist milden Klimas im Atlantik ein beliebtes Winterziel europäischer Sonnenfreunde, sind nun praktisch ausgebucht – besonders eng wird es auf den beliebten Inseln Teneriffa, Fuerteventura und Lanzarote.

Alle großen europäischen Urlaubsveranstalter leiten zehntausende Urlauber, die in diesen Tagen eigentlich in Tunesien und Ägypten ausspannen wollten, zu den Kanaren um. Dort, berichtet der kanarische Hotelverband, versuchten die Reisekonzerne händeringend große Kontingente für die nächsten Wochen zu reservieren. Es gebe einen regelrechten „Kampf um die Betten“. Angesichts der großen Nachfrage gibt es schon Probleme für bestimmte Termine, etwa in der Karnevalswoche, noch die gewünschten Flüge und Unterkünfte zu finden.

Die kanarischen Hotelbetreiber sehen den Boom auf ihren Inseln vor der westafrikanischen Küste derweil als Chance, wieder bessere Geschäfte zu machen. Sie müssen derzeit nicht wie in früheren Jahren die Preise senken, weil die Konkurrenz in Nordafrika billiger war. Ganz im Gegenteil, die Urlaubspreise auf den Kanarischen Inseln dürften in diesen Monaten mangels Ausweichmöglichkeiten sogar steigen, glauben Branchenkenner.

Der Flug zu den Kanaren dauert mit etwa viereinhalb Stunden ähnlich lang wie die Reise nach Ägypten. 2010 waren 8,6 Millionen Urlauber auf die Kanaren gekommen. Auch an der spanischen Mittelmeerküste sowie auf den Balearischen Inseln mit Mallorca und Ibiza wird ein spürbarer Buchungsschub registriert. Die mallorquinischen Hoteliers erwarten bei der Zahl der deutschen Urlauber für dieses Jahr eine Zunahme in einer Größenordnung von zehn Prozent im Vergleich zu 2010, bei den Briten ein Plus von zwei bis drei Prozent.

Hinzu kommen Dutzende Kreuzfahrtschiffe, die normalerweise an Ägyptens und Tunesiens Küsten festmachen, die sich nun vor den Küsten Mallorcas, aber auch vor Malta und der italienischen Insel Sardinien drängeln. Ralph Schulze

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