Kampf um die Kliniken : Fresenius kämpft an zwei Fronten

Die Übernahme von Rhön droht zu scheitern. Doch das ist nicht das einzige Problem des Dax-Konzerns: Wegen Tarifauseinandersetzungen bei den Damp-Kliniken will die Gewerkschaft Verdi klagen..

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Schwere Zeiten für Fresenius: Der Dax-Konzern, der mit dem Kauf von Rhön Klinikum zum größten deutschen privaten Krankenhausbetreiber aufsteigen will, kämpft gleich an zwei Fronten. Die ehrgeizigen Übernahmepläne drohen an der Intervention des Konkurrenten Asklepios zu scheitern. Zugleich nimmt die Gewerkschaft Verdi den Gesundheitskonzern in die Zange.

Verdi-Chef Frank Bsirske kündigte am Donnerstag eine Klage wegen der Kündigung von rund 1000 Beschäftigten der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) in der norddeutschen Klinikgruppe Damp an. Damp gehört seit Herbst 2011 zur Fresenius-Tochter Helios. Seit Wochen verhandeln Verdi und Helios über einen neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten, der Streit ist eskaliert. Verdi rief zu unbefristeten Streiks auf, Helios kündigte den Vertrag mit der ZSG, die bis dahin sämtliche Servicearbeiten für die Damp-Kliniken – Wäscherei, Post, Reinigung – übernommen hatte. „Die ZSG war unwirtschaftlich, zu teuer und hat schlechte Leistungen abgeliefert“, begründet Helios-Sprecherin Constanze von der Schulenburg die Kündigung. Bsirske sieht in dem Schritt dagegen ein „Kampfmittel“. Angesichts der geplanten Übernahme von Rhön habe dieser Angriff auf das Streikrecht eine „Signalwirkung“ über Norddeutschland hinaus

Doch ob die Übernahme kommt, steht in den Sternen. Fresenius braucht 90 Prozent der Rhön-Aktien, um das Geschäft über die Bühne zu bringen. Dafür hat der Dax-Konzern keine Kosten gescheut. Mit 22,50 Euro pro Aktie war das Angebot nach Ansicht von Aktionärsschützern überaus fair. Zudem hat Fresenius am Mittwoch noch einmal tief in die Tasche gegriffen und selbst fünf Millionen Aktien gekauft. Ob das reicht, dürfte frühestens an diesem Freitag feststehen. Allerdings dürfte Fresenius die Entscheidung nicht vor Börsenschluss bekannt geben.

Scheitern könnte der Deal vor allem an Asklepios, neben Helios und Rhön einer der Großen auf dem Klinikmarkt. Asklepios hat in der Vergangenheit still und heimlich Rhön-Anteile gekauft, mehr als fünf Prozent. Über die Motive schweigt das Unternehmen. „Wir wollen uns alle Gestaltungsmöglichkeiten offenhalten“, sagte Sprecher Rudi Schmidt dem Tagesspiegel. Ob der Klinikbetreiber seine Anteile auf den letzten Drücker an Fresenius verkauft hat oder nicht, blieb am Donnerstag offen. Rhön-Gründer Eugen Münch glaubt das. Asklepios-Eigentümer Bernard Broermann habe sich noch nie gegen schnelle Gewinne gewehrt, sagte Münch der „Financial Times Deutschland“.

Theresa Dick, Analystin beim Bankhaus Lampe, hält es aber auch für möglich, dass Broermann sein Paket behalten hat. „Asklepios könnte damit wahrscheinlich den Deal zwischen Fresenius und Rhön blockieren.“ Immer wäre der neue Konzern, der durch die Fusion von Rhön und Helios entsteht, vom Umsatz her doppelt so groß wie Asklepios. „Asklepios müsste befürchten, abgedrängt zu werden“, sagte Dick. An ein längerfristiges Engagement von Asklepios bei Rhön glaubt Dick nicht: „Der Aktienkauf hat einen Großteil der liquiden Mittel aufgezehrt“.

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