Kampf um die Kliniken : Fresenius scheitert mit Übernahme von Rhön-Kliniken

Es sollte der europaweit größte private Krankenhausbetreiber mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro entstehen. Nun steht fest: Die Übernahme von Rhön-Kliniken ist geplatzt. 84,3 Prozent der Aktionäre wollten ihre Anteile verkaufen – das reicht nicht.

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Foto: dapd

Zwei Tage lang haben sie gezählt, am Ende fehlten wenige Prozent: Der Dax-Konzern Fresenius ist mit seinem Versuch, den privaten Klinikbetreiber Rhön zu übernehmen, gescheitert. Zwar konnte Fresenius 84,3 Prozent der Aktien einsammeln, doch das reichte nicht: 90 Prozent wären nötig gewesen, damit der Deal über die Bühne geht. Fresenius-Chef Ulf Schneider reagierte am späten Freitag Abend enttäuscht: „Die große Mehrheit der Rhön-Klinikum-Aktionäre hat unser Angebot angenommen“, betonte er. „Daher ist es bedauerlich, dass es blockiert wurde, ohne eine konstruktive Alternative aufzuzeigen“.
Damit dürfte Schneider den Eigentümer der Klinikkette Asklepios, Bernhard Broermann, meinen. Der hatte von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt Rhön-Aktien gekauft - mehr als fünf Prozent. Analysten hatten spekuliert, dass Asklepios auf diesem Weg versuchen würde, die geplante Fusion von Rhön und der Fresenius-Tochter Helios zu verhindern. Mit einem Gesamtumsatz von sechs Milliarden Euro im Jahr wäre die neue Klinikgruppe nämlich mehr als doppelt so groß geworden wie der bisherige Branchendritte Asklepios. Die Meldung über den Anteilsbesitz von Asklepios habe am Mittwoch, dem letzten Tag der Angebotsfrist, ein erhebliches Handelsvolumen hervorgerufen, teilte Fresenius am Freitag Abend mit. Das habe „die Annahme und Abwicklung des Angebots beeinträchtigt“.
Um Helios und Rhön zusammenzuschließen, hatte Fresenius tief in die Tasche gegriffen. 22,50 Euro hatte der Konzern den Rhön-Aktionären geboten, am Freitag Abend lag der Kurs bei 18,88 Euro. Schneider betonte, er sei weiterhin von den großen Vorteilen eines Zusammenschlusses überzeugt und werde die Handlungsmöglichkeiten in den kommenden Tagen „eingehend prüfen“. Allerdings sei Helios, das auch zwei Kliniken in Berlin-Buch und -Zehlendorf betreibt, stark genug, um aus eigener Kraft weiter zu wachsen. Helios habe „exzellente Wachstumschancen im Zuge der weiteren Privatisierung des deutschen Krankenhausmarktes“.Im vergangenen Jahr machte die Krankenhaustochter, die ihren Unternehmenssitz in Berlin hat, einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro, im Jahr 2015 sollen es vier bis 4,25 Milliarden Euro ein – ohne einen Erwerb der Rhön-Kliniken.
Die kommunalen Krankenhäuser fühlen sich durch das Scheitern der Rhön-Übernahme in ihrer Kritik an privaten Investoren im Gesundheitswesen bestätigt. Die Entwicklung zeige „drastisch die Gefahr einer Abhängigkeit des deutschen Krankenhauswesens von taktischen und strategischen Winkelzügen privater Anleger", sagte der Vorsitzende des Interessenverbands kommunaler Krankenhäuser (IVKK), Bernhard Ziegler, dem Tagesspiegel.
„Wenn die Versorgung der Bevölkerung mit stationären Leistungen davon abhängt, welcher Investor sich in welcher Konstellation die größeren Vorteile verspricht, steht es schlecht um unser Gesundheitswesen“, betonte der Verbandschef. Ziegler forderte die Politik auf, klare gesetzliche Vorgaben für die Verwendung von Gewinnen aus dem Betrieb von Krankenhäusern auf den Weg zu bringen, um diese gegen Spekulationsrisiken abzusichern.

 

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