Wirtschaft : Kampf um die Stellen bei der Bankgesellschaft

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Die Betriebs- und Personalräte der Bankgesellschaft Berlin wollen alle Möglichkeiten nutzen, damit es bei dem Konzern nicht zu dem angedachten Abbau von bis zu 4000 der derzeit noch rund 14 900 Stellen bis zum Jahresende 2005 kommt. Bernd Reinhard, Betriebsrat der Berliner Bank und Mitglied im Aufsichtsrat erklärte am Montag gegenüber dem Tagesspiegel, bei diesem Überlegungen seien einfach angestrebte Einsparungen auf Stellen umgerechnet worden. Es müssten aber noch andere Möglichkeiten geprüft werden.

Reinhard kann sich beispielsweise auch deutliche Einsparungen bei den Sachkosten vorstellen. Das Engagement des Konzerns in Polen und Tschechien müsse überprüft werden. "Wir können auch den Umbau oder die Renovierung von Filialen um ein bis zwei Jahre verschieben." Gespräche seien aber noch nicht aufgenommen werden, erklärte Reinhard, der auch noch keine klare Linie für die Berliner Bank sieht. Zwar habe der Aufsichtsrat beschlossen, künftig eine Zwei-Marken-Strategie zu fahren, was dies für die Kollegen im privatwirtschaftlichen Bereich der Berliner Bank bedeute, müsse jedoch noch ausgelotet werden. Bei der Berliner Bank sind etwa 2500 Mitarbeiter beschäftigt.

Helmut Tesch, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Personalrat bei der Landesbank/Sparkasse, erklärte, man wolle versuchen, eventuelle Kündigungen über den Verzicht auf Sozialleistungen und Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich zu vermeiden. Auch betriebsinterne Stellenausschreibungen, Vorruhestandsregelungen oder Aufhebungsverträge müssten genutzt werden, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Diese sind allerdings auf Grund einer Betriebsvereinbarung bis 2004 ausgeschlossen.

Derzeit arbeiten bei der Bankgesellschaft einschließlich der Niederlassung Berliner Bank rund 4200 bei der Landesbank/Sparkasse rund 5000 und bei der Berlin Hyp etwa 660 Personen. Die Arbeitnehmervertreter hatten in der Aufsichtsratssitzung am Freitag dem Vernehmen nach einer Senkung der Kosten um 100 bis 150 Millionen Euro zugestimmt. Der neue Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft, Hans-Jörg Vetter, will vor allem das Geschäft mit strukturierten Finanzierungen sowie mit großen Industriekunden abbauen.

Das Land Berlin wies unterdessen am Montag erneut Vorwürfe der Norddeutschen Landesbank zurück, Berlin stelle als Mehrheitsaktionär (mehr als 80 Prozent) der Bankgesellschaft Berlin nicht genügend Daten für eine Werthaltigkeitsprüfung des Konzerns zur Verfügung. Die Prüfung solle nicht an der Datenlage scheitern, doch gebe es auch rechtliche Grenzen, erklärte die Sprecherin von Finanzsenatorin Christiane Krajewski am Montag auf Anfrage.

Die NordLB erhalte die gleichen Daten wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), die Gruppe um den US-Unternehmer Chris Flowers und die Texas Pacific Group, die ebenfalls Interesse an einer Übernahme der Bankgesellschaft angemeldet hatten. Flowers und Texas haben sich, ebenso wie der DSGV, bisher zumindest nicht öffentlich über mangelnde Einsicht in die Zahlenwerke beschwert. Eine Sprecherin der NordLB erneuerte hingegen am Montag die Klagen über nicht ausreichende Daten für eine Due-Dilligence-Prüfung bei der Bankgesellschaft. Gleichzeitig bestätigte sie jedoch, dass weiterhin Verhandlungen mit dem Land Berlin geführt würden.

Auch in Berlin wurden weitere Verhandlungen sowohl mit der NordLB/Sparkassen als auch mit der Flowers-Gruppe und der Texas Pacific Group bestätigt. Die Gespräche liefen ungeachtet der angekündigten Übernahme von Risiken aus dem Immobiliengeschäft der Bankgesellschaft durch das Land Berlin. Es gebe keine Favoriten.

Derweil gingen auch die Beratungen zwischen der Bankgesellschaft und dem Land Berlin über eine Übernahme der Risken aus dem Immobilienbereich weiter. Finanzsenatorin Krajewski hatte am vergangenen Freitag eingestanden, dass kein Investor bereit gewesen sei, die Immobilienrisiken zu übernehmen. Auf welchem Wege die Übernahme der Risiken bei der IBAG/IBG durch das Land erfolgen soll, sei jedoch noch offen, hieß es am Montag. Ein Konzept soll dem Vernehmen nach bis zum 17. Dezember, dem Termin für die nächste Aufsichtsratssitzung, vorgelegt werden.

Offen ist schließlich die Zukunft der Allbank. Die Bankgesellschaft hatte mehrfach versucht, das Institut zu verkaufen, was aber dem Vernehmen nach immer wieder am Preis scheiterte. Im Dezember 1999 entschied man dann in Berlin, die Allbank zunächst im Konzern zu behalten.

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