Wirtschaft : Kampf um Duty Free-Verkauf geht weiter

HAMBURG (dpa).Der Deutsche Duty Free-Verband kämpft weiter für den Erhalt des steuerfreien Warenverkaufs in der Europäischen Union (EU)."Das letzte Wort ist in der Sache noch nicht gesprochen", zeigte sich der Geschäftsführer des Verbandes, Christian Breitzke, in einem dpa-Gespräch überzeugt."Es muß sich nur langsam die Erkenntnis in Europa durchsetzen, daß es keinen Sinn macht, eine angebliche Subvention bei Duty Free durch eine neue Subvention aus dem EU-Struktur- und Regionalfonds zu ersetzen." Europaweit wurden im Duty Free-Handel 1996 rund 13 Mrd.DM umgesetzt, davon 1,4 Mrd.DM in Deutschland.

Durch die geplante Abschaffung des Duty-Free-Verkaufs würden europaweit rund 100 000 Arbeitsplätze im Handel und Tourismus aufs Spiel gesetzt, davon 10 000 in Deutschland, sagte Breitzke.An der norddeutschen Küste sei es bereits zu 150 Entlassungen gekommen."Weitere werden bald folgen." Der Verband rechnet allein in Norddeutschland mit mindestens 3 000 Entlassungen in der Schiffahrt und im Handel.Durch die Abschaffung von Duty Free in dieser Region könne Deutschland zwar "theoretisch" mit 90 Mill.DM mehr Steuereinnahmen beim regulären Warenverkauf rechnen.Gleichzeitig gingen aber rund 110 Mill.DM durch Abgabenausfälle und Arbeitslosengeld verloren, meinte Breitzke.

Da die meisten Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen lägen, werde die EU die betroffenen Gebiete mit Geldern des Struktur- und Regionalfonds unterstützen müssen."Das kostet die EU in den nächsten fünf Jahren etwa 10,5 Mrd.Ecu (19,5 Mrd DM)", rechnete der Geschäftsführer vor."Absurd, denn dieses Geld steht überhaupt nicht zur Verfügung," wie Breitzke befindet.Ein sich tragender Wirtschaftszweig, der Tausende in Lohn und Brot halte, werde trotz hoher Arbeitslosigkeit in Europa ohne Not gefährdet und verursache zudem riesige Kosten."Duty Free schadet niemandem, aber nützt allen."

Der steuerfreie Warenverkauf auf Schiffen und an Flughäfen soll nach einem Beschluß der EU zum 30.Juni 1999 endgültig abgeschafft werden, weil er nicht mit dem Binnenmarkt vereinbar sei.Der Arbeitsplatzabbau trifft nach einer Studie eines Londoner Wirtschaftsinstituts, das von bis zu 147 000 Stellenstreichungen ausgeht, vor allem die Reisebranche sowie Handel und Hersteller von Duty Free-Waren.Überproportional stark bekämen die Fährhäfen in Nordeuropa die Folgen zu spüren, wo fast 16 000 Jobs auf dem Spiel stünden, wie in Finnland, Dänemark und Schweden.Starke Jobverluste seien auch in Irland (4 004 Stellen), in Portugal an der Algarve (1 864), den spanischen Balearen (2 663), den griechischen Inseln (3 717) und in Süditalien (2 105) zu erwarten.Am stärksten betroffen seien Spanien (26 384), Frankreich (23 449), Großbritannien (22 541), Finnland (11 587), Deutschland (11 506), Italien (9 778) und Schweden (8 239).Neben dem Duty Free-Verband und den Gewerkschaften macht sich in Deutschland auch die Bundesregierung für den Erhalt des Duty Free-Verkaufs stark.Für einen Erhalt plädieren zudem Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und Irland.

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