Kampf um Rhön-Krankenhäuser : Frieden im Klinikstreit

Fresenius, Asklepios und B. Braun einigen sich im Konflikt um die Übernahme der Rhön-Kliniken. Alle kommen jetzt auf ihre Kosten, und die Berliner Helios kann zur größten privaten Klinikkette Deutschlands aufsteigen.

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Endlich am Ziel: Der Dax-Konzern kann nun die größte private Klinikkette schmieden.
Kompromiss.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Vorweihnachtlicher Friede auf dem privaten Klinikmarkt: Fresenius, Asklepios und B. Braun haben ihren monatelangen, erbitterten Machtkampf um die Vormachtstellung in der Branche überraschend beigelegt. Die drei Unternehmen erklärten am Freitag ihre Auseinandersetzung über den Erwerb von 43 Kliniken und 15 medizinischen Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG durch Fresenius Helios für 3,1 Milliarden Euro für beendet. An der Börse legten die Rhön-Aktien um mehr als fünf Prozent zu, Fresenius-Papiere notierten unverändert.

„Im Zuge der Einigung über Neutralitätsverpflichtungen werden Asklepios und B. Braun auf Maßnahmen gegen den Klinikverkauf verzichten“, teilten die Firmen übereinstimmend mit. Stattdessen wollen Asklepios, Helios und Rhön in einem Netzwerk Medizin zusammenarbeiten, Asklepios bekommt von Helios dafür fünf Millionen Euro. B. Braun erhält einen langfristigen Liefervertrag mit Helios. In dem neuen Netzwerk würden die drei privaten Klinikbetreiber künftig als gleichberechtigte Partner zusammenarbeiten, sagte Rhön-Sprecher Achim Struchholz. Nach Angaben eines Fresenius-Sprechers soll das Netzwerk weiteren Betreibern offenstehen. Es solle beispielsweise helfen, Akut- und Rehamedizin besser zu verzahnen. Die konkrete Ausgestaltung ist allerdings noch offen.

Fresenius, Asklepios und B. Braun sind allesamt am Konkurrenten Rhön beteiligt und streiten seit Jahren erbittert um die Herrschaft über die private Krankenhauskette. 2012 wollte Fresenius Rhön-Klinikum kaufen und mit seiner Krankenhaustochter Helios fusionieren, die ihren Sitz in Berlin hat. Das neue Unternehmen wäre der größte private Klinikbetreiber in Deutschland geworden. Doch die Übernahme des gesamten Unternehmens war gescheitert, weil sich Asklepios in letzter Minute bei Rhön eingekauft hatte. Daraufhin hatte Fresenius mit Rhön die Übernahme der einzelnen Kliniken und Versorgungszentren vereinbart.

Doch auch dieser Plan war auf Widerstand gestoßen: B. Braun hatte Klage eingereicht und zugleich seine Anteile an Rhön auf nunmehr gut 15 Prozent aufgestockt. Asklepios und B. Braun fürchteten eine Vormachtstellung von Fresenius und Rhön auf dem deutschen Klinikmarkt – Asklepios als Klinikrivale, B. Braun als großer Krankenhauszulieferer.

Nach der jetzt getroffenen Vereinbarung kommen alle Beteiligten auf ihre Kosten. Fraglich ist nur noch, ob auch das Bundeskartellamt mitspielt. Der Behörde liegt jedoch noch nichts vor. Sie hatte angekündigt, den Klinikverkauf auch mit Blick auf die Auswirkungen für den Medizinprodukte-Markt unter die Lupe zu nehmen. In einem umfangreichen Hauptprüfverfahren soll festgestellt werden, ob mit der bislang größten Übernahme auf dem privaten Krankenhaussektor regionale Monopole oder eine zu starke Position gegenüber den Krankenkassen entstehen könnten. Dafür hat die Behörde bis Ende Februar Zeit.

Rhön-Sprecher Struchhol begrüßte die Einigung. „Jetzt können wir uns noch ein bisschen mehr auf unsere strategischen Entwicklungsziele konzentrieren“, sagte er. Das fränkische Unternehmen mit Sitz in Bad Neustadt schrumpft durch den Deal auf etwa ein Drittel seines bisherigen Umsatzes und muss sich nun mit seinen verbliebenen Krankenhäusern neu ausrichten.hej/rtr/dpa

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