Kampf um Supermarktkette : Bundeskanzlerin Merkel will Kaiser’s erhalten

Tengelmann bereitet den Einzelverkauf von Filialen vor. Gleichzeitig verhandeln die Kontrahenten weiter. Ihnen geht es um Marktmacht, Geld - und ums Rechthaben.

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Was bleibt übrig von der Marke mit der Kanne? Das weiß momentan scheinbar niemand.
Was bleibt übrig von der Marke mit der Kanne? Das weiß momentan scheinbar niemand.Foto: dpa

Die Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann wird vorbereitet – gleichzeitig forcieren die Beteiligten die Bemühungen, doch noch einen Kompromiss zu finden. Auch Angela Merkel hat das Thema inzwischen entdeckt. Sie ließ ihren Sprecher Steffen Seibert am Montag an den Einigungswillen der Einzelhändler appellieren. Und tatsächlich: „Es wird weiter geredet, mit allen Seiten“, hieß es von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Deren Chef Frank Bsirske bemühte sich persönlich um die Wiederbelebung einer Verabredung vom 6. Oktober, die damals von den Kontrahenten getroffen worden war. Auf der einen Seite Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und Edeka- Chef Markus Mosa; Haub wollte alle Filialen an Edeka verkaufen, doch das Kartellamt untersagte das Vorhaben. Daraufhin erteilte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Erlaubnis, die wiederum erfolgreich von der anderen Seite vor Gericht angefochten wurde.

Edeka soll nicht dominanter werden

Die Haub/Mosa-Gegner werden angeführt von Rewe-Chef Alan Caparros, der Kaiser’s selbst übernehmen möchte und argumentiert, Marktführer Edeka würde mit Kaiser’s noch dominanter. Neben Caparros saßen am 6. Oktober Norma-Chef Gerd Köber und Franz-Friedrich Müller von Markant.

Der Kompromiss vom 6. Oktober sah für Edeka nur noch die Filialen in Bayern vor, Rewe sollte die Geschäfte in Berlin und am Nordrhein bekommen. Ein paar Filialen waren für Norma vorgesehen. Rewe-Chef Caparros bezeichnete die Aufteilung im „Handelsblatt“ als „faire Sache“, um dann jedoch Bedenken zu formulieren. „Wir hätten nur noch über Ausgleichszahlungen sprechen müssen, weil die Region Bayern profitabel ist, Berlin dagegen weniger und Nordrhein hochdefizitär.“

Der Schurke ist immer der andere

Rewe, so hatte Caparros auch im Interview mit dem Tagesspiegel gesagt, sei Haub weit entgegengekommen und habe sogar die Übernahme der Kaiser’s Verluste „bis zum Abschluss des Deals“ angeboten. Allein Haub habe nicht gewollt. „Ich glaube, dass die Zerschlagung längst beschlossen war und Herr Haub nur Zeit gewinnen wollte, um seinen Plan B zu finalisieren“, sagt Caparros über Haub, der nach dieser Interpretation der Schurke im Übernahmepoker wäre.

Caparros und Haub mögen sich nicht. Im Zusammenhang mit früheren Deals soll Caparros nicht sauber gespielt haben, wird in der Branche kolportiert. Jedenfalls traut Haub Caparros nicht und wirft ihm seinerseits „Zerstörungswut“ vor. Die Übernahme von Kaiser’s durch Edeka sei „systematisch kaputtgemacht“ worden durch eine Partei, von der immer klar gewesen sei, „dass sie als Alternativübernehmer aus fusionsrechtlichen Gründen nicht infrage kommt“.

Haub erhöhte am Montag den Druck, indem Tengelmann nach eigenen Angaben potenzielle Übernehmer von Kaiser’s Filialen in Nordrhein aufforderte, so genannte Interessenbekundungen abzugeben. „Hier sind die Probleme am größten“, begründete Haub den Versuch, erstmal nur Filialen in NRW loszuwerden. Für Bayern und Berlin gebe es keinen Zeitplan.

Zehn Millionen Euro Verlust im Monat

Alle Kaiser’s Filialen zusammen machen früheren Angaben zufolge bis zu zehn Millionen Euro Verlust im Monat. Ein Grund dafür sind die schlechteren Einkaufskonditionen, die der relativ kleine Kaiser’s-Verbund von den Lebensmittelherstellern bekommt. Der Kostennachteil soll rund zehn Prozent betragen gegenüber den Großen der Branche.

„Wir hätten spätestens vor 25 Jahren beginnen müssen, unsere Supermärkte an selbstständige Tengelmann- und Kaiser’s Kaufleute zu geben“, meinte Haub jetzt. Denn Kaufleute vor Ort könnten viel besser auf die Kundenbedürfnisse eingehen als zentral geführte Filialen, sagte er mit Blick auf den Erfolg der Edeka-Genossenschaft, die aus vielen selbstständigen Edeka-Märkten besteht.

Das Ziel Gabriels und der Gewerkschafter war indes die Beibehaltung des Verbundes – zumindest in den Regionen. Nur so könnten die bei Kaiser’s vorhandenen Mitbestimmungsstrukturen mit Betriebsräten erhalten bleiben, glauben die Handelsexperten bei Verdi. Der Einzelverkauf von Filialen sei dagegen eine „Katastrophe“, weil im Ergebnis auch die zentralen Bereiche in Logistik und Verwaltung sowie die Birkenhof-Fleischfabriken nicht mehr zu retten wären. Das sieht auch Haub so: Für die dort beschäftigten 2000 Mitarbeiter „habe ich immer die geringste Hoffnung gehabt, sollte es in die Einzelverwertung gehen“.

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