Kampf um Supermarktkette : Filialen von Kaiser's Tengelmann sind jetzt im Ausverkauf

Die Filialen von Kaiser's Tengelmann in NRW kommen heute auf den Markt. Tengelmann-Chef Haub sieht aber noch ein "Zeitfenster" für eine gütliche Lösung.

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Schlechtes Geschäft: Die Kette macht jeden Monat Verluste, sagt der Chef.
Schlechtes Geschäft: Die Kette macht jeden Monat Verluste, sagt der Chef.Foto: dpa

Für die angeschlagene Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann startet an diesem Montag der Ausverkauf. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will die gut 100 Filialen in Nordrhein-Westfalen auf den Markt bringen und nach Interessenten suchen. Für die Märkte in Berlin und Bayern soll das vermutlich erst Anfang nächsten Jahres geschehen.

Trotz der nun beginnenden Suche nach Investoren wäre eine Einigung am runden Tisch über eine Rettung der Supermarktkette aber immer noch möglich. Zunächst muss nämlich der Kaufvertrag mit Edeka aufgelöst werden, erst dann könne man mit dem Verkauf oder der Schließung von Filialen beginnen, sagte eine Tengelmann-Sprecherin dem Tagesspiegel. Der Prozess könne sich noch über Wochen hinziehen. Am Wochenende machte Haub noch einmal deutlich, wem beim Verkauf der Märkte seine Sympathien gehören – nämlich Edeka. „Wenn Edeka Märkte von Kaiser’s Tengelmann übernehmen will, die kartellrechtlich unproblematisch sind, dann hat Edeka für mich den Vorrang“, sagte Haub dem „Handelsblatt“. „Das gebietet allein der Anstand nach zwei Jahren“.

Will Gabriel schlichten?

Seit zwei Jahren versucht der Tengelmann-Eigentümer nämlich, seine Kette an den Marktführer zu verkaufen. Nach dem Veto des Bundeskartellamts hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) das Geschäft per Ministererlaubnis ermöglicht. Auf Klagen von Rewe, Norma und Markant hin hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf die Ministererlaubnis aufgehoben. Um eine Zerschlagung der Supermarktkette zu verhindern, hatte die Gewerkschaft Verdi daraufhin die Chefs von Rewe, Norma, Markant, Tengelmann und Edeka an einen Tisch geholt. Doch obwohl die Beteiligten eine Grundsatzeinigung gefunden hatten, sind die Verhandlungen in der vergangenen Woche überraschend gescheitert. Rewe-Chef Alain Caparros hat im Tagesspiegel-Interview jedoch einen letzten Rettungsversuch angeboten. Er wünscht sich Schlichtungsgespräche unter der Regie von Gabriel. Auf Anfrage des Tagesspiegels wollte sich das Bundeswirtschaftsministerium am Sonntag aber nicht dazu äußern, ob der Minister die Verantwortung übernehmen will.

Wie sich Edeka und Rewe einigen wollten

Nach der Grundsatzeinigung der Krisenrunde vom 6. Oktober hätte Edeka von den noch rund 400 Kaiser’s Tengelmann-Filialen die Märkte in München bekommen, Rewe hätte die rund 120 Filialen in Berlin und die 105 Läden in NRW übernommen, nach „Handelsblatt“-Informationen hätte auch Norma Geschäfte im Umfang von 150 Millionen Euro erhalten. Doch Folgegespräche sind geplatzt, Rewe auf der einen und Edeka/Tengelmann auf der anderen Seite überziehen sich nun mit gegenseitigen Vorwürfen.

Die Hälfte der Stellen würde wegfallen, sagt Haub

Sollte es tatsächlich zur Zerschlagung kommen, wären die Kaiser’s-Beschäftigten die Leidtragenden. Haub sieht bis zu 8000 der jetzt noch gut 15 000 Stellen gefährdet. Von den Märkten in Nordrhein-Westfalen räumt er nur einem Drittel Chancen ein. „Ich wäre froh, wenn wir für 30 bis 40 Filialen Betreiber finden“, sagte Haub der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Haub bekräftigte aber erneut, dass er noch auf eine einvernehmlichen Lösung hoffe. Das Zeitfenster schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei. Bis dahin müssten aber noch die Preise und Bedingungen der Übernahme ausverhandelt werden. „Ich bin bis zur letzten Minute offen für eine einvernehmliche Lösung, die Kaiser’s Tengelmann als Ganzes erhält“, betonte der Firmenchef. Haub will sich von Kaiser’s Tengelmann trennen, weil die Supermärkte seinen Angaben zufolge jeden Monat fast zehn Millionen Euro Verlust machen. Der Unternehmer will sich auf die Obi-Baumärkte, den Textildiscounter KiK und seine Start-up-Beteiligungen konzentrieren.

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